Verstärkter Kampf gegen Kundenverluste
Telekom-Chef will Wort halten

Der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, will in diesem Jahr keine weitere Revision seiner Geschäftsziele vornehmen. Er sei sehr zuversichtlich, dass er das aktuelle Gewinnziel erreiche, sagte Obermann vor Journalisten in Berlin.

HB BERLIN. „Auch für uns wäre eine nochmalige Korrektur nicht nur unangenehm, sondern auch sehr, sehr schädlich.“ Am vergangenen Wochenende hatte die Telekom zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten ihre Gewinnerwartungen für 2007 gesenkt. Die T-Aktie ist daraufhin um gut fünf Prozent eingebrochen. Die Ratingagentur Moody’s bekräftigte gestern jedoch, dass sie an ihrem soliden A-Rating für die Telekom festhält.

Das Bonner Unternehmen hat vor allem mit Problemen im deutschen Festnetzgeschäft zu kämpfen. Im vergangenen Jahr hat die Telekom gut zwei Mill. Telefonkunden verloren. Obermann dämpfte Erwartungen, dass dieser Trend sich kurzfristig aufhalten lasse. „Es ist nicht realistisch, die Anschlussverluste in der klassischen Telefonie in großem Umfang zu stoppen“, sagte er. Schließlich sei es regulatorisch gewollt, dass die Telekom Marktanteile abgebe.

Der Konzern will sich künftig aber intensiver um wechselwillige Kunden kümmern. „Wir werden unsere proaktive Kündigungs-Prävention stärken“, kündigte Festnetzchef Timotheus Höttges an. Nutzern, die bereits gekündigt haben, will er Angebote zur Rückkehr unterbreiten.

Diese Pläne sind Teil eines verbesserten Services, mit dem die Telekom ihre Marktanteile in Deutschland stabilisieren und die Kosten senken will. Service werde „zum Umsatz- und Renditetreiber“, versprach Obermann. So will die Telekom unter anderem die Zahl ihrer Shops mittelfristig von derzeit knapp 600 auf 1 000 ausbauen. In diesem Jahr sind 200 Neueröffnungen geplant.

Die Telekom-Vorstände räumten ein, dass der Kundenservice derzeit nicht zufrieden stellend laufe. Die Wartezeiten seien zu lang, die Callcenter schlecht zu erreichen, und Techniker würden Termine oft nicht einhalten. Um diese Prozesse effizienter zu gestalten, will der Konzern 45 000 Service-Mitarbeiter in zwei neu zu gründende Service-Einheiten ausgliedern und deren Arbeitsbedingungen dem Marktniveau anpassen. Dies beinhaltet längere Arbeitszeiten und kürzere Pausen. „Wir haben deutliche Produktivitäts- und Personalkostennachteile gegenüber der inländischen Konkurrenz“, sagte Obermann.

Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi darüber sollen bald beginnen. Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder gibt sich bislang unnachgiebig: „Das ist ein verhängnisvoller Fehlschritt, der nur darauf ausgerichtet ist, die Beschäftigungsbedingungen zu verschlechtern“, sagte Schröder dem Handelsblatt. „Ich bin nicht bereit, das zu unterstützen.“

Die Telekom überlegt zudem, ihr TV-Angebot nicht wie ursprünglich geplant nur über das neue Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL, sondern auch bundesweit über DSL-Verbindungen zu übertragen.

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