Versteigerung von Mobilfunk.Lizenzen
Telekom sucht ihr Heil in den USA

Am Mittwoch beginnt die Versteigerung von Mobilfunk-Lizenzen in Nordamerika. Telekom-Vorstandschef Ricke muss kräftig mitbieten, weil der Konzern in Deutschland nicht mehr wächst. Den Anlegern gefällt die Vorstellung jedoch gar nicht, Milliarden in die USA zu pumpen. Die Risiken sind hoch.

DÜSSELDROF. Bei der Deutschen Telekom wird es in den kommenden Tagen spannend: Die Anleger schauen nicht nur auf die Auktion von – vermutlich teuren – Mobilfunklizenzen in den USA. Am Donnerstag gibt der Bonner Konzern auch seine – vermutlich schlechten – Zahlen für das zweite Quartal bekannt. Die Parallelität der Ereignisse kommt Konzernchef Kai-Uwe Ricke äußerst ungelegen.

Analysten rechnen damit, dass die Deutsche Telekom drei bis fünf Mrd. Dollar für Lizenzen ausgeben wird, die ihr zusätzliche Sendekapazitäten auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt sichern sollen. Für den Netzausbau kommt womöglich noch einmal dieselbe Summe hinzu. Branchenkenner rechnen damit, dass die Deutschen zu den eifrigsten Bietern der Lizenz-Auktion gehören werden. „T-Mobile USA braucht mehr Kapazitäten, weil das Unternehmen davon am wenigsten hat“, sagt Roger Entner von der Unternehmensberatung Ovum. Die Deutsche Telekom äußerte sich nicht dazu. Wegen strikter Regeln der amerikanischen Branchenaufsicht Federal Communications Commission (FCC) sagte der Bonner Konzern vor der Auktion nichts zu seinen US-Plänen.

Für Ricke wird es angesichts zahlreicher Probleme im Inland schwer, seinen Aktionären milliardenschwere Ausgaben in den USA schmackhaft zu machen. Zumal Analysten davon ausgehen, dass nicht nur das Geschäft in Deutschland im zweiten Quartal enttäuscht hat, sondern auch in den USA. Das ist besonders problematisch, weil die Tochter in Nordamerika der Wachstumsmotor des gesamten Konzerns ist. Stottert er, droht die Telekom auf der Strecke zu bleiben. Im ersten Quartal hätte Ricke seinen Aktionären ohne die Tochter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bei Wachstum von Umsatz und Gewinn sogar ein Minus präsentieren müssen.

Deshalb reagieren die Märkte äußerst nervös auf schlechte Nachrichten aus den USA. Vor einigen Wochen etwa sank der Kurs der Telekom-Aktie auf das tiefste Niveau seit mehr als zwei Jahren, als bekannt wurde, dass T-Mobile USA im zweiten Quartal womöglich weit weniger neue Kunden gewonnen hat als erwartet. Die Investmentbank Merrill Lynch hat Händler in den USA nach ihren Absatzzahlen befragt und daraus geschlossen, dass T-Mobile USA nur 650 000 neue Kunden gewonnen hat – nach über einer Million im ersten Quartal. Der Einbruch lässt sich jedoch damit erklären, dass die US-Tochter Anfang April die Laufzeiten ihrer Standardverträge von ein- auf zweijährig umgestellt hat. Diese längere Bindung hatte zunächst viele Kunden abgeschreckt. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass es sich dabei um einen Einmaleffekt handelt.

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