Verstöße gegen das Arbeitsrecht
Zalando reagiert auf die massive Kritik

Die Kritik ist laut, die Reaktion prompt: Der Online-Händler Zalando will die Arbeitsbedingungen im Verteilzentrum verbessern. So sollen sich erschöpfte Mitarbeiter ausruhen können – auch wenn die Arbeit hart bleibt.
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DüsseldorfDruck von Vorgesetzten, Arbeiten an der Schmerzgrenze, Überwachung durch Vorgesetzte – die Enthüllungen der 21-jährigen Reporterin Caro Lobig über die Zustände im Erfurter Logistikzentrum vom Zalando wiegen schwer. Nun reagiert der Online-Händler mit mehreren Maßnahmen auf die Vorwürfe. So verzichtet das Unternehmen auf eine Belohnung von 500 Euro für die Überführung von Ladendieben. Für erschöpfte Mitarbeiter werden Sitzgelegenheiten geschaffen. Zudem wird überprüft, ob Zalando sich an den Datenschutz hält.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben ein Projektteam ins Leben gerufen, das die Kritik untersuchen soll. Erst Maßnahmen seien beschlossen worden, weitere sollen folgen. Man nehme „jegliche Kritik an den Arbeitsbedingungen“ ernst, erklärte der zuständige Zalando-Manager David Schröder in einer Mitteilung. „Naturgemäß benötigt eine vollständige Prüfung und die darauffolgende Entwicklung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen Zeit.“

In der RTL-Reportage hatte Lobig berichtet, dass die Arbeit körperlich sehr belastend sei. Für Verschnaufpausen sei wenig Zeit, Sitzen generell unerwünscht. Der Scanner, der den Mitarbeitern den Weg durch die Regale weist und die entsprechenden Artikel erfasst, sei zur Überwachung der Arbeitsleistung missbraucht worden, zudem hätten sich Vorgesetzte in der Dienstkleidung normaler Angestellter unter die Mitarbeiter gemischt. Und mit der Geldprämie werde die wechselseitige Bespitzelung gefördert.

Zalando will nun gemeinsam mit dem Datenschutzbeauftragten von Thüringen die Prozesse überprüfen, um „wo notwendig gemeinsam Veränderungen zu erarbeiten“. Zudem habe die Führung die Mitarbeiter auf Hinblick auf datenschutzrechtliche Vorgaben „sensibilisiert“.

Wenn Mitarbeiter sich nicht gut fühlen oder erschöpft sind, sollen sie sich auch während der Schicht hinsetzen können. Dafür will Zalando Sitzgelegenheiten schaffen. Die Arbeitsbedingungen ändern sich aber nicht grundlegend: „Die meisten Arbeitsprozesse werden jedoch weiterhin – wie in jedem anderen Logistikzentrum auch – zum großen Teil im Stehen oder Gehen ausgeführt werden.“

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  • Das Zalondopaket auf dem Foto steht für "Schrei vor Schmerz".

    Zalondo hat nicht damit gerechnet, dass der "Aufschrei" in der Republik so immens ist. Dem Wunsch der Pleite ist nichts hinzuzufügen. Zalondo ist out!

    Mit blindem Aktionismus wird nun versucht, unter Einbezug einer öffentlichen Behörde, den Eindruck zu vermitteln, man sei bemüht die Probleme zu lösen.

    Die Probleme werden nur gelöst, wenn man sich von den "Menschenschindern", die sich dieses System ausgedacht haben, schnellstmöglich trennt. Alles andere ist Augenwischerei und Blendwerk.

    Es darf also bezweifelt werden, dass sich bei Zalondo irgendetwas ändern wird.

  • Logo, Gruß

  • auch amazon?

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