Verstöße unter anderem gegen Diskriminierungsverbot: Presserat rügt Mischung von Werbung und Redaktion

Verstöße unter anderem gegen Diskriminierungsverbot
Presserat rügt Mischung von Werbung und Redaktion

Der Deutsche Presserat hat wegen der Vermischung von Werbung und Redaktion vier öffentliche Rügen erteilt. Mehrere redaktionelle Beiträge der „Abendzeitung“ (München) hätten Schleichwerbung enthalten, berichtete der Presserat am Freitag in Bonn.

HB BONN. So sei etwa unter der Überschrift „Der totale Durchblick: Brille für fünf Euro“ Werbung für einen Optiker gemacht worden, der einige Brillenmodelle für diesen Preis anbot. Name und Ort des Geschäfts seien ebenso genannt worden wie bekannte Markennamen von Brillenherstellern.

Im Rahmen eines Berichts über die Büroeröffnung einer Fluglinie in München seien auch Angaben zu Reiseangeboten veröffentlicht worden. Dies sei ebenso Schleichwerbung gewesen wie der Artikel über ein Gewinnspiel eines Münchner Radiosenders, bei dem auf die Hersteller der Preise hingewiesen wurde. Auch die Zeitschriften „Audimax“ und „Augsburger News“ hätten gegen den Trennungsgrundsatz verstoßen. Das „E-Learning Journal“ habe potenziellen Kunden den Kauf von redaktionellen Beiträgen angeboten.

Ein weiterer Schwerpunkt bei den Rügen lag bei Verstößen gegen das Diskriminierungsverbot. Das „Straubinger Tagblatt“ wurde gerügt, da es einen Leserbrief unter der Überschrift „Der Kluge geht, bevor das Böse kommt“ abgedruckt hatte. Der Leserbriefschreiber behauptete darin, es sei ein naiver Traum zu glauben, dass sich die bei einem EU-Beitritt verstärkt nach Deutschland kommenden Türken integrieren würden; „denn Sure 4,89 des Koran fordert alle Moslems auf, jene zu töten, die nicht an Allah glauben“. Damit werde indirekt allen Türken unterstellt, potenzielle Mörder zu sein.

Die „Welt“ und die „Berliner Morgenpost“ erhielten je eine öffentliche Rüge wegen Diskriminierung einer sozialen Gruppe. In einem identischen Kommentar hatten die Zeitungen den Tod eines Kleinkindes aufgegriffen, dessen Eltern Veganer sind. Der Kommentar habe bei Lesern den Eindruck hervorrufen können, die Eltern hätten die Grundsätze veganer Ernährung höher gestellt als das Leben ihres Kindes und sie hätten damit den Tod des Kindes verursacht. Eine Prüfung des Vorgangs durch ein Gericht habe dies bisher jedoch nicht ergeben.

Presserat weist Vorwürfe von Sinti und Roma zurück

Der Deutsche Presserat hat Vorwürfe des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma an seiner Arbeit zurückgewiesen. Von den letzten 56 Beschwerden des Zentralrats seien 42 unbegründet gewesen, berichtete der Presserat. Jedes Jahr reiche der Zentralrat eine Sammelbeschwerde in Form von Serienbriefen gegen diverse Zeitungen, Zeitschriften und Presseagenturen beim Presserat ein. In standardisierten Anschreiben erhebe der Zentralrat auch Vorwürfe gegen die Arbeit des Presserats.

Alljährlich beschäftige sich der Beschwerdeausschuss mit großer Sorgfalt und sehr ernsthaft mit den Beschwerden. „So auch in diesem Jahr mit 56 zur Prüfung vorgelegten Artikeln, die der Zentralrat offensichtlich von einem Presseausschnittdienst zusammenstellen lässt und die ohne differenzierte Begründung als diskriminierend bezeichnet werden.“ Nur in zehn Fällen sei der Pressekodex wegen diskriminierender Berichterstattung tatsächlich verletzt worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%