Verwirrspiel um Mehrheitsübernahme von Pro Sieben Sat 1
Döpfner lenkt Springer auf Fernsehkurs

Die geplante Mehrheitsübernahme der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 durch die Berliner Axel Springer AG („Bild“, „Hörzu“) wird zum Verwirrspiel. Wie das Handelsblatt am Rande der Springer-Hauptversammlung erfuhr, will der Printkonzern mit den Großaktionären der Senderkette erst im August über einen Anteilskauf reden.

BERLIN/DÜSSELDORF. Grund hierfür ist, dass der Pro-Sieben-Anteilseigner Haim Saban und die Miteigner auf Grund vertraglicher Regelungen erst zu diesem Zeitpunkt ihre Anteile an der TV-Kette veräußern können. Sie müssten ansonsten rund 80 Prozent des Mehrerlöses aus dem Verkauf ihrer Mehrheit an den Insolvenzverwalter der zusammengebrochenen Kirch Media zahlen. Dies behindere den Deal, hieß es gestern in Springer-Kreisen. Der Kirch-Media-Insolvenzverwalter Michael Jaffé war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

In München hieß es hingegen, die Gläubiger hätten den Weg frei gemacht. Der Gläubigerausschuss habe Jaffé am Montag zu Verhandlungen ermächtigt. Dieser habe nun ein Abkommen unterzeichnet, wonach gegen eine Zahlung von 15 Mill. Euro ein Verkauf auch früher möglich sei.

Unabhängig von diesen Entwicklungen macht der Einstieg ins TV-Geschäft für Springer-Chef Mathias Döpfner in jedem Fall Sinn. „Der Aufbau eines zweiten Standbeines im deutschen TV-Geschäft“ sei eine Option, um Umsatz und Gewinn zu steigern, sagte er vor den Aktionären. Der Zeitungskonzern mache sich dadurch „unabhängiger von der Entwicklung des Printgeschäfts“.

Erwirbt Springer die Mehrheit bei Pro Sieben Sat 1, will der Konzern den Springer-Großaktionär Hellman & Friedman mit ins Boot holen, heißt es in Springer-Kreisen. Dabei denkt der Zeitungskonzern daran, seinen Anteil von zwölf auf 25,1 Prozent aufzustocken, weitere 25,1 Prozent soll Hellman & Friedman erwerben. Derzeit ist der „Bild“-Konzern mit knapp zwölf Prozent an dem TV-Konzern beteiligt, zu dem die Sender Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live und Sonnenklar gehören.

Auch Analysten rechnen damit, dass sich Springer bei einer Mehrheitsübernahme einen Partner holt. „Ich glaube, dass Springer dies nicht im Alleingang macht“, sagt Analyst Friedrich Schellmoser von der Hypo-Vereinsbank. Der Verlag würde ansonsten sein gesamtes Finanzpolster aufbrauchen. Denn er müsste für die Mehrheit bei der aktuellen Börsenbewertung 1,5 bis zwei Mrd. Euro zahlen. Derzeit verfügt der Konzern trotz guter Ertragsaussichten lediglich über rund 200 Mill. Euro an Liquidität sowie rund zehn Prozent eigene Aktien im Wert von rund 300 Mill. Euro.

Auch Aktionärsvertreter meinen, dass sich Springer möglicherweise Hilfe beim US-Großaktionär Hellman & Friedman holt: „Der Springer Verlag ist verdammt, nicht mehr Geld auszugeben, da sonst die Mehrheit von Friede Springer wackelt“, sagte Karl Weigart, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Die Großaktionärin hätte Probleme, eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals mitzutragen.

Medienrechtlich wäre der Deal für Springer durchaus problematisch. In Kreisen der Wettbewerbsbehörden wird auf den am 1. April in Kraft getretenen neuen Rundfunkstaatsvertrag verwiesen. Dieser legt fest, dass ein Unternehmen nur unbegrenzt Sender erwerben darf, wenn es dadurch keine „vorherrschende Meinungsmacht“ erlangt. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) wollte gestern zu den Springer-Plänen nicht Stellung nehmen. „Wir haben noch keinen Antrag vorliegen“, sagte Geschäftsführer Bernd Malzanini. Der Präsident der Bayerischen Landesmedienzentrale (BLM), Wolf-Dieter Ring, hielt zuvor den Springer-Plan medienrechtlich für unproblematisch.

Großaktionär Haim Saban hat hingegen gestern im Namen der Pro-Sieben-Sat 1-Holding die Erwartungen über einen schnellen Besitzerwechsel gedämpft. Der amerikanisch-israelische Medienunternehmer ließ im Namen der Saban Capital Group und sechs weiterer Investorengruppen verbreiten: „Wir sind nicht in irgendwelchen Verhandlungen im Zusammenhang mit der Pro Sieben Sat 1 Media AG.“ Dabei hat der Hollywood-Milliardär offenbar ohne Absprache mit seinen Partnern gehandelt. Zumindest waren von der Erklärung nicht alle Investoren informiert, hieß es in Branchenkreisen.

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