Videoportale
Kommunizierende Röhren

Mit der Übernahme des populären Videoportals Youtube sichert sich der US-Suchmaschinenbetreiber Goole eine starke Position im schnell wachsenden Internet-TV-Geschäft. Vor allem jüngere Zuschauer finden dort eher ihr Programm als im klassischen Fernsehen. Doch ist die Videoplattform auch wirklich den extrem hohen Kaufpreis wert?

DÜSSELDORF. Es sind Teenager wie Tessa und Lynne aus Frankfurt, die viele zweifeln lassen an der Zukunft von Youtube. 19 und 20 sind sie und produzieren Karaoke-Videos von sich, die sie ins Internet stellen. „Sicher“, sagen die Kritiker, „das ist charmant, das ist lustig – aber doch kein Geschäft.“

Google sieht das anders: Für 1,65 Milliarden Dollar hat der Internetkonzern die Videoplattform Youtube übernommen, auf der auch Tessa und Lynne zu sehen sind.

Denn schon jetzt ist Youtube über das Stadium einer Teenager-Belustigung hinaus. Hier finden sich bewegende Selbstinszenierungen wie die des 79-jährigen Nutzers „Geriatric1927“, der aus seinem Leben berichtet, Musikvideos von Bands ohne Plattenvertrag, nicht mehr erhältliche Konzertaufnahmen von Jazzgrößen wie Louis Armstrong, aber eben auch Ausschnitte aus Fernsehsendungen – eigentlich ein klarer Verstoß gegen das Copyright. Bisher hielten sich Rechtsstreitigkeiten im Rahmen: Moniert ein Rechteinhaber ein Video, nimmt Youtube es von seiner Seite – und bisher hat es sich nicht gelohnt, die Plattform zu verklagen.

Das könnte sich jetzt ändern – weil von Google mehr zu holen wäre. Und deshalb ist eine Reihe von Kooperationsverträgen fast noch wichtiger als die Übernahmemeldung selbst: Während Youtube Rechteabkommen mit dem US-TV CBS sowie den Musikkonzernen Universal und Sony BMG abschloss, tat Google Ähnliches mit Sony und Warner. „Wir wollen Instrumente entwickeln, mit denen die Inhalte unserer Partner leichter gefunden und monetarisiert werden können“, kündigte Youtube-Mitgründer Chad Hurley bei einer Telefonkonferenz an. Filmanbieter, die freiwillig Bilder liefern, werden so zu Werbepartnern: CBS beispielsweise liefert künftig Youtube seine Nachrichten. Wird neben dem Videobild Werbung geschaltet, teilen sich das Internet- und das Fernsehunternehmen die Einnahmen.

Erst im Februar 2005 gründeten Hurley, Steve Chen und der inzwischen an die Uni Stanford zurückgekehrte Jawed Karim Youtube. Kennen gelernt hatten sie sich bei der Ebay-Tochter Paypal. Schon kurz nach dem Online-Start im November vergangenen Jahres wurde die Plattform zur Netz-Sensation: 100 Millionen Seitenabrufe zählt Youtube derzeit – täglich.

Das lässt die Anzeigenpreise gewaltig steigen. So zahlte das Sportfernsehen ESPN 175 000 Dollar dafür, einen Werbefilm auf der Youtube-Startseite zu platzieren – er wurde 400 000-mal abgerufen. Auch die Textanzeigen, die Google als Dienstleister bietet, sind schon bei Youtube zu finden. Die eigentliche Spezialität aber sind Kooperationen. So können sich derzeit Bands ohne Plattenvertrag bei einem Nachwuchswettbewerb des Mobilfunkers Cingular bewerben – und die Youtube-Nutzer entscheiden über den Sieger. „Die Art und Weise, wie Youtube mit Videos umgeht, hat uns sehr beeindruckt“, sagte Google-CEO Eric Schmidt am Montagabend.

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