Videos für den Streaming-Dienst
Spotify rüstet auf

Musik, Podcasts, Videos: Der Streaming-Dienst aus Schweden expandiert. Dabei setzt Spotify auf große Partner. Zusätzlich zu Inhalten von TV-Sendern sollen über Nike und Starbucks neue Zielgruppen erschlossen werden.
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New YorkSpotify ist auf Expansionskurs. Und wenn es nach Chef und Gründer Daniel Ek geht, dann kann die Expansion gar nicht groß genug sein. Der weltgrößte Musik-Streaming-Dienst bietet seinen 60 Millionen Nutzern künftig auch Videos, Podcasts und Nachrichten an. Die Inhalte kommen unter anderem von Medienkonzernen wie dem Technologie-Medium Wired, dem Sportsender ESPN, der britischen BBC, dem Musiksender MTV und dem Unterhaltungssender Comedy Central. Zum Teil werden sie speziell für Spotify angefertigt.

„Es war unausweichlich, dass wir uns für neue Formen der Unterhaltung öffnen“, sagte Ek am Mittwoch in New York, wo er die Neuerungen vorstellte. Alle neuen Angebote würden das Spotify-Erlebnis komplementieren und ausweiten, Nutzer würden dadurch deutlich länger auf der Plattform bleiben. In Deutschland sollen unter anderem Inhalte des Deutschlandfunks und des Bayerischen Rundfunks dazu gehören.

Ek rüstet sein Unternehmen damit für neue Konkurrenz, die in Kürze in den Markt eintreten wird. Der iPhone-Hersteller Apple arbeitet nach der Übernahme des Musikunternehmens Beats offenbar an einem neuen Streaming-Dienst, der Branchenkennern zufolge im Juni auf den Markt kommen könnte. Über Apples iTunes-Plattform bietet der Konzern derzeit Musik und Videos zum Herunterladen an. Doch die Umsätze durch Streaming – dem Abspielen von Musik ohne sie zu besitzen, sind nun zum ersten Mal größer als die aus Downloads und dem Verkauf von CDs. Also verstärkt sich die Konkurrenz.

Ek zufolge steht Spotify für 54 Prozent der weltweiten Streaming-Einnahmen. Ein Spotify-Abo kostet in Deutschland knapp zehn Euro im Monat. So generiert das Unternehmen aus Stockholm 91 Prozent seiner Umsätze, die im vergangenen Jahr gut eine Milliarde Euro betrugen. Jeder vierte Spotify-Nutzer ist ein zahlender Kunde – das ist in der Branche Rekord.

Die Schweden bieten künftig auch eine ganze Reihe von neuen Playlisten. Statt Musik nach Genres wie Rockmusik und Hip Hop zu ordnen, will Ek künftig die passende Musik für jede Lebenslage anbieten. Die neuen Kategorien tragen deshalb Namen wie „Wake Up Happy“, um gut gelaunt aus dem Bett zu kommen, und „Songs To Sing In The Shower“, für all jede, die unter der Dusche gern mitsingen.

Spotify soll künftig nicht nur das Radio, die CDs, den DJ und den Fernseher ersetzen. Das Unternehmen steigt auch in die Produktion von Musik ein. Spotify hat mit einer Reihe von Komponisten und DJs zusammen gearbeitet, um Songs für Jogger zu komponieren. Neu dabei ist, dass Spotify über die Sensoren der Smartphones die Geschwindigkeit der Läufer misst, und sich die Beats pro Minute dem Lauftempo anpassen. Studien haben gezeigt, dass Läufer mit der richtigen Musik schneller und länger laufen und dabei Glücksgefühle verspüren – darauf will Spotify aufbauen.

Der Dienst, der 2014 wegen hoher Investitionen einen operativen Verlust von 165 Millionen Euro machte, will gerade frisches Geld von Investoren einsammeln. Zu den Geldgebern gehören dem „Wall Street Journal“ zufolge die Investmentbank Goldman Sachs und der Staatsfonds aus Abu Dhabi. Insgesamt braucht Spotify 400 Millionen Dollar an frischem Kapital und erhält damit eine Bewertung von 8,4 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro).

Ein wichtiger Teil von Eks Expansionsstrategie sind Partnerschaften. Am Mittwoch kündigte er eine Zusammenarbeit mit Nike Plus an – einer Plattform, die Millionen von Läufern verbindet. Anfang der Woche wurde zudem eine Kooperation mit Starbucks bekannt gegeben, über die die Playlisten in den Coffee Shops für Spotify-Nutzer zugänglich gemacht werden.

Ek zufolge ist das erst der Anfang der neuen Strategie. „Die Musik-Industrie steht vor den größten Veränderungen seit dem Beginn der Tonaufnahmen“, prophezeit Ek. Ständig arbeite sein Konzern an neuen Innovationen, um die Marktführerschaft weiter auszubauen. Apple soll ruhig kommen.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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