Videospiele für unterwegs
Marktführer hätten sich fast verzockt

Auf der Spielemesse Gamescom wird klar: Computer- und Konsolenspiele verlieren an Bedeutung. Die Zukunft liegt im „Mobile Gaming“, zum Beispiel auf dem Smartphone. Spieleriesen wie Activision und EA satteln um.
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DüsseldorfMobil spielen ist nichts Neues: Schon Tetris konnte man auf dem Gameboy unterwegs spielen. Aber Klötzchen stapeln gegeneinander ging nur mit einem Verbindungskabel. Die Geräte musste man noch im wahren Wortsinn vernetzen, sie wurden immobil.

Neu ist heute die simple Vernetzung für mehrere Spieler auf dem Smartphone oder Tablet und die Qualität der mobilen Spiele. Bei Free-to-Play-Spielen ist das ganze sogar kostenlos. Die Branche erwartet, dass bald mehr Umsatz mit Handy- und Tabletspielen gemacht wird, als mit den eigentlichen Konsolenversionen.

Deshalb ändern jetzt auch die Spielegiganten Activision Blizzard und Electronic Arts (EA) ihr Geschäftsmodell: weg von sogenannten „Boxed Games“, also verpackten Spielen im Geschäft, hin zu Online-Verkäufen und mobilen Spielen.

Vielleicht zu spät, befürchten Analysten. Denn kleine Spielefirmen wie Zynga, die Farmville und andere Spiele über Facebook anbieten, könnten EA und Activision Blizzard das Spielegeschäft aus den Händen nehmen. Auch Internethändler Amazon bietet mittlerweile kostenlose Spiele an.

Dank der niedrigen Entwicklungskosten für mobile Spiele konnten viele kleine Anbieter vormachen, wie es mit dem mobilen Geschäft läuft. Einige von ihnen sind damit Anfang der 2000er groß geworden, etwa die „Angry Birds“-Macher von Rovio oder Browsergame-Spezialist Bigpoint. Allein Zynga setzte im abgelaufenen Quartal mit seinen Spielen 292 Millionen Euro um; gut viermal mehr, als EA.

Dass ihre Spiele bei den Nutzern ankommen, haben die jungen Firmen den Branchenführern vorgemacht. Die passen sich nur langsam dem neuen Trend an. „Durch die Free-to-play-Welle steht das klassische Geschäftsmodell der Spielehersteller infrage", sagt der Medienwissenschaftler Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn. „Jetzt versuchen alle, auf dieser Welle mitzuschwimmen.“

Das Verschenken der Spiele ist aber eher Marketing als Geschäftsmodell. Die Unternehmen bauen darauf, dass die Gratisnutzer im Spielverlauf bezahlen. Für sogenannte In-Game-Items, die der Spieler für seinen Spielfortschritt benötigt. „Wenn man ein großes Publikum erreicht, kann das genauso viel oder sogar mehr Umsatz bringen als der traditionelle Verkauf“, sagt Frank Gibeau, Manager bei Electronic Arts.

Kommentare zu " Videospiele für unterwegs: Marktführer hätten sich fast verzockt"

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  • Der Vergleich mit der Filmbranche finde ich gut

  • Die Spielehersteller sollte aber doch auf ihre Stammkundschaft achten - Diejenigen die viel Geld für ein Spiel an der Ladentheke zahlen. Vielleicht sollten die Spielehersteller mehr den "E-Sport" werben/fördern. Man darf da nicht unterschätzen, dass es da mittlerweile auch zahlungskräftige Mitdreißer gibt, denen 60/70/100/.. Euronen vollkommen egal sind (Das sind diese Kinder die DukeNukem schon toll fanden). Ich weiß nicht wie man diese Spiele auf einen iPad spielen will?

    Ich denke, dass das Publikum für eher triviale (Niedrige Produktionskosten) Umsonstspiele und Billigspiele eher die anspruchslose Masse ist, die hier und da mal Zeit tot schlagen wollen. Kleinvieh macht auch Dreck. Es ist auch jedenfall eine risikoärmere Strategie.

  • Halo Apollo,

    leider muss ich dir voll zustimmen. Es ist die selbe Entwicklung wie im Filmgeschäfte oder bei anderen Medien oder der Politik.
    Sobald etwas im "Mainstream" angekommen ist und Frauen als große Zielgruppe anvisiert werden, bedeutet dies leider eine Kernschmelze der Qualität und des Anspruches auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

    Die Browserspiele sind das bestehe Beispiel. Immer dasselbe (dümmliche) Prinzip nur mit einer anderen Grafikoberfläche.

    Zum Glück habe ich die Anfänge der Branche noch mitgemacht.

    Also auf in Mittelmaß.

    Gruß

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