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12.01.2007 
EU-Kommission verlängert Prüfungsfrist

Vivendi bangt um BMG-Übernahme

Der französische Mischkonzern Vivendi zittert um die geplante Übernahme der Bertelsmann-Tochter BMG Music Publishing. Denn die EU-Kommission hat die wettbewerbsrechtliche Prüfungsfrist überraschend bis zum 1. Juni verlängert. Ursprünglich sollte das Genehmigungsverfahren bereits bis zum 27. April abgeschlossen sein.

HB BRÜSSEL/PARIS. Nach Angabe der Brüsseler Wettbewerbshüter habe Vivendi die Verlängerung der Prüffrist beantragt. Damit entfernt sich das Unternehmen selbst von dem Ziel, die Übernahme von BMG möglichst rasch über die Bühne zu bringen. Doch die Sorge vor einem Veto der EU-Kommission wiegt offenbar stärker. Im Dezember hatten die Wettbewerbshüter mitgeteilt, es gebe „ernste Bedenken“ gegen den Zusammenschluss. Er könne sich negativ auf den ohnehin bereits stark konzentrierten Musikverlagsmarkt auswirken. Die Vivendi-Tochter Universal Music, die BMG übernehmen soll, ist bereits heute Marktführer auf dem Tonträgermarkt. Nach dem Zusammenschluss wäre sie auch der größte Musikverlag in Europa.

In der Regel beantragen Unternehmen eine verlängerte Prüffrist, wenn sie die Kommission mit Zugeständnissen zur Freigabe der Übernahme bewegen wollen. Ein Sprecher von Vivendi wollte sich zum Stand des Verfahrens nicht äußern. Auch der Medienkonzern Bertelsmann wollte die Verlängerung der Prüfungsfrist nicht kommentieren. Doch in Gütersloh herrscht dennoch Gelassenheit. Denn laut Verhandlungskreisen trägt Vivendi das kartellrechtliche Risiko. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat Europas größter Medienkonzern bereits im Dezember vergangenen Jahres die Verkaufssumme von 1,63 Mrd. Euro erhalten.

Die amerikanischen Wettbewerbshüter haben der Übernahme bereits grünes Licht gegeben. Nach der Fusion zwischen Universal und BMG würde Vivendi zur Nummer Eins im internationalen Musikgeschäft aufsteigen. Erst danach folgen EMI und Warner Music. In der Vergangenheit hatten auch die unabhängigen Plattenfirmen die Marktkonzentration bekämpft. Für Bertelsmann war der Verkauf ein Meilenstein. Denn mit dem Erlös hatte Europas größter Medienkonzern seinen Schuldenberg von zuletzt 8,72 Mrd. Euro deutlich verringert. Der Kaufpreis für den Musikverlag, der Künstler wie Robbie Williams, Elvis Presley, Christina Aguilera oder Justin Timberlake vermarktet, lag leicht über den Erwartungen von Bertelsmann.

Bertelsmann steht derzeit unter finanziellem Druck. Denn seit der Konzern das Aktienpaket des belgischen Finanzmagnaten Albert Frère für 4,5 Mrd. Euro zurückgekauft hat, sind die Schulden des Unternehmens massiv gestiegen. Die Eigentümerfamilie Mohn hatte sich für den Rückkauf entschieden, um den sonst drohenden Börsengang zu verhindern.

Auch für Vivendi der Deal von strategischer Bedeutung. BMG Publishing wird als gute Ergänzung für die Vivendi-Tochter Universal Music gesehen. Der Konzern Vivendi stützt sich auf die Standbeine Medien und Telekom-Geschäft. Nach jahrelanger Sanierungsarbeit ist Vivendi wieder auf Einkaufstour: Die Tochter Canal Plus übernahm jüngst Konkurrent TPS.

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