Einige Jahre heftiger Auseinandersetzungen sowie mehr als 50 Gerichtsverfahren trennen die Kontrahenten Vivendi und Deutsche Telekom im Streit um den polnischen Mobilfunkanbieter PTC. Jetzt sieht es so aus, als bewegten sich Franzosen und Deutsche aufeinander zu.
PARIS. "Wir sind an einer gütlichen Einigung mit der Deutschen Telekom
interessiert", sagte Frank Esser, Chef der Vivendi
-Mobilfunksparte SFR im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Der französische Mischkonzern kämpft seit Jahren mit der Telekom
um die Mehrheit an der profitablen PTC. Unbestritten ist, dass die Telekom
49 Prozent an PTC hält. Die verbleibenden 51 Prozent sieht Vivendi
im Eigentum der Holding Elektrim Telekomunikacja (ET), die Vivendi
gemeinsam mit dem polnischen Versorger Elektrim bildet.
Bereits 2004 hat aber ein Wiener Schiedsgericht entschieden, dass Elektrim seine PTC-Anteile nicht in diese Holding hätte einbringen dürfen. Elektrim habe damit unter anderem gegen ein Vorkaufsrecht der Telekom
verstoßen. Vivendi
gehörten also gar keine PTC-Anteile, urteilte das Gericht. Zwei Gerichte in Polen bestätigten diesen Spruch. Vivendi
konterte mit einer Klage in den USA auf Basis des sogenannten Rico-Gesetzes, einem Instrument zur Bekämpfung krimineller Vereinigungen wie der Mafia. Mittlerweile wird es für die abstrusesten Klagen verwendet.
Vor diesem Hintergrund dürfte man bei der Telekom
aufhorchen, wenn Frank Esser nun sagt: "Der polnische Mobilfunk ist ein wichtiger Wachstumsmarkt. Aber wir würden der Telekom
unseren Anteil an PTC geben, wenn sie dafür einen angemessenen Preis zahlen würde." Das Echo aus Deutschland ließ denn auch nicht lange auf sich warten: "Wir haben uns auch in der Vergangenheit nie gegen eine einvernehmliche Lösung gesperrt", sagte ein Telekom
-Sprecher auf Anfrage.
Polen ist für die Mobilfunker ein lukrativer Markt, weil dort - anders als in Deutschland und Frankreich - noch nicht jeder Einwohner ein Handy besitzt. "In Frankreich werden wir nicht mehr so stark wachsen können wie bisher", räumt Esser ein. In den vergangenen drei bis vier Jahren ist der Umsatz von SFR pro Jahr um rund sechs Prozent gewachsen, derzeit sind es nur noch vier.
Da die Mobilfunker in den Industrienationen keine neuen Kunden mehr gewinnen können, ist die Nutzung von mobilen Daten wie etwa E-Mails auf dem Handy ihre große Hoffnung. "Eine steigende Datennutzung wird die Einbußen im Sprachgeschäft kompensieren", ist sich Esser sicher.
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In der Zwischenzeit versucht der Vivendi
-Chef, die stattliche Gewinnmarge von 40 Prozent vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) durch ein Sparprogramm zu sichern. Darüber hinaus will er in Schwellenländern investieren. Die Franzosen besitzen mit der Mehrheit an Maroc Telecom bereits einen Mobilfunk- und Festnetzanbieter in Afrika.
Das Standbein des Konzerns soll Frankreich bleiben. Hier hat SFR, an der Vodafone
mit 44 Prozent beteiligt ist, Ende vergangenen Jahres die Mehrheit am Festnetzanbieter Neuf Cegetel
übernommen. Dahinter stand die Überzeugung, dass Kunden künftig Mobilfunk- und Festnetzdienste aus einer Hand haben wollen.
Neuf soll nicht die einzige Übernahme von SFR bleiben. "Wir interessieren uns via Neuf Cegetel
für Alice France", sagt Esser. Die Alice -Mutter Telecom Italia
hatte ihre Tochter vor kurzem zum Verkauf gestellt. Analysten taxieren den Wert auf etwa 600 Mill. Euro. Schon für die Mehrheit an Neuf muss Esser rund fünf Mrd. Euro zahlen. "Die Finanzierung des Kaufs wäre für uns kein Problem", versichert er.
Vivendi
Esser sieht in diesem Verbund jedoch nur mittelbar Vorteile. "Dadurch verstehen wir die jeweils anderen Märkte besser", meint er. "Wir wollen in der Telekommunikation ja keine exklusiven Inhalte anbieten, sondern unseren Kunden alle Optionen offen lassen."

