Vivendi und Elektrim reden miteinander
Telekom-Offerte für PTC hängt am seidenen Faden

Der Bonner Telekom-Konzern will die restlichen Anteile des polnischen Mobilfunkunternehmens PTC übernehmen. Doch während Anteilseigner Vivendi der deutschen Offerte schon zugestimmt hatte, blockierte Elektrim eine Entscheidung. Kurz vor Auslaufen der Übernahmeofferte reden die beiden zerstrittenen Hauptgesellschafter jedoch wieder miteinander.

HB WARSCHAU. Elektrim teilte am Donnerstag in Warschau mit, es liefen Gespräche von Rechtsexperten mit dem französisch-amerikanischen Partner Vivendi. Der Medienkonzern Vivendi und der polnische Versorger Elektrim kontrollieren durch ein Gemeinschaftsunternehmen 51 % an PTC. Für diesen Anteil bietet die mit 49 % an PTC beteiligte Deutsche Telekom eine Milliarde Euro in bar. Die bereits einmal um eine Woche verlängerte Angebotsfrist endet am Freitag.

Elektrim-Sprecherin Ewa Bojar sagte, die Gespräche mit Vivendi seien am Mittwoch aufgenommen worden und dauerten am Donnerstag noch an. Zum Verhandlungsort sowie zum Stand der Gespräche wurden keine Angaben gemacht. Vivendi wollte dazu ebenso wie die Telekom keine Stellungnahme abgeben.

Mit dem Kaufangebot für PTC unternimmt die Telekom seit der Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream im Jahr 2001 erstmals wieder einen Zukauf-Versuch. An den Finanzmärkten wurde die Offerte begrüßt, da Preis und Kaufvorhaben als sinnvoll bewertet werden. Der Bonner Konzern kämpft seit Jahren erfolglos um die Kontrolle von PTC - der mit 5,6 Mill. Kunden größte Mobilfunkanbieter in Osteuropa.Da Vivendi und Elektrim Geld zum Schuldenabbau benötigen, erschien der Zeitpunkt für einen erneuten Übernahmeversuch günstig.

Während Vivendi die Telekom-Offerte begrüßt, fordert Elektrim nach Rücksprache mit seinen Gläubigern von Vivendi mehr Geld für seine indirekte Beteiligung an der profitablen PTC. Im vergangenen Jahr hatte Elektrim eine Anleihe über rund 480 Mill. € platzen lassen. Ohne Zugeständnisse des französisch-amerikanischen Konzerns stehen Elektrim nur rund 250 Mill. € bei einem Verkauf zu. Denn die PTC-Holding von Elektrim und Vivendi ist mit gut 500 Mill. € verschuldet, Gläubiger ist größtenteils Vivendi. Eine Erhöhung ihrer Offerte hatte die Telekom ausgeschlossen. „Elektrim und Vivendi müssen untereinander eine Regelung finden, das ist nicht unser Job“, hieß es in Unternehmenskreisen. Gespräche mit Elektrim und Vivendi seien bislang nicht anberaumt worden.

Einige Analysten und Fondsmanager sehen sowohl Raum für eine Nachbesserung beim Kaufangebot als auch für eine erneute Verlängerung der Angebotsfrist. Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel sagte: „Es gibt natürlich noch Gestaltungsspielraum.“ Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, sagte, die Telekom könne noch einmal 100 bis 150 Mill. € aufschlagen und Elektrim zufrieden stellen. Die Aussichten im wachstumsstarken polnischen Mobilfunkmarkt würden dies rechtfertigen. Eine abermalige Verlängerung schloss er jedoch aus. „Die Telekom wird meines Erachtens eher in einigen Monaten einen neuen Versuch unternehmen“, sagte der Analyst. Für Jason Carley, Analyst bei Merrill Lynch, käme hingegen eine Nachbesserung des Kaufpreises durch die Telekom einem „Mangel an Disziplin“ gleich. „Da es keinen anderen strategischen Interessenten gibt, sind Elektrim und Vivendi geradezu zum Verkauf gezwungen“, schrieb der Analyst in einem Kommentar.

Als unwahrscheinlich kann die theoretische Option gelten, dass Vivendi seinen mittelbaren 24,5-Prozent-Anteil an PTC ohne Einigung mit Elektrim an die Telekom veräußert. Denn für diesen Fall ist mit einer Klage von Elektrim zu rechnen, da der polnische Konzern sich auf ein Vetorecht beim Verkauf von Holding-Anteilen beruft. Über ihre Rechte und Pflichten innerhalb der Holding streiten Elektrim und Vivendi seit kurzem vor Gericht. „Man kann nicht sicher sein, dass Elektrim einen Teil-Verkauf von Vivendi nicht anfechten würde“, verlautete aus Telekom-Kreisen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%