
Handelsblatt: Was wollen Sie als Dienstleister bei der Ifa?
Friedrich Joussen: Wir sind seit 2009 wieder auf der Ifa. Wir wollen Produkte und Services erlebbar machen, die wir verkaufen – auch wenn wir sie nicht selbst produzieren. In diesem Jahr stellen wir Vodafone-TV vor, dazu gehört unsere Media-Box, die TV, Radio und Handy im Haus vernetzt.
HB: Telekom und Hansenet bieten längst TV übers Internet an.
Joussen: Unser Angebot wird überall in Deutschland zu empfangen sein, das ist bei den Wettbewerbern nicht der Fall. Die Box nutzt nicht nur das Internet, sondern auch die TV-Signale der Kabelnetzbetreiber oder der Satellitenanbieter. Anders als andere wollen wir diesen Systemen keine Konkurrenz machen, sondern sie ergänzen.
HB: Wieso sollten Kunden zu Vodafone wechseln, wenn sie ohnehin bei ihrem Kabelbetreiber bleiben – und dafür auch weiter zahlen.
Joussen: Weil wir zusätzlichen Nutzen bieten wie zeitversetztes Fernsehen, einen elektronischen Programmführer und Filme auf Abruf. Wir haben bisher Verträge mit fünf der zehn großen Hollywood-Studios abgeschlossen und werden auch Blockbuster anbieten. Für das vernetzte Heim ist unser System interessant, weil wir mit einem offenen Standard arbeiten. Die Geräte im Haus können herstellerunabhängig vernetzt werden.
HB: Wenn Sie auf ein monatliches TV-Abo verzichten, entgeht Ihnen erhebliches Umsatzpotenzial.
Joussen: Es wird preislich attraktiv für die Kunden und wirtschaftlich für Vodafone. Aber unser Preis wird deutlich unter dem des Wettbewerbs liegen. Das muss er, denn die Zahlungsbereitschaft für Fernsehen ist in Deutschland nicht besonders groß. Wir treten an, um viele Kunden zu erreichen und nicht die kleine erlesene Gruppe von Haushalten, die einen superschnellen und teuren VDSL-Anschluss der Telekom abonniert hat.
HB: Die Telekom sagt, für ihr IPTV-Angebot reicht ein DSL-Anschluss …
Joussen: Sechs Megabit pro Sekunde müssen es schon sein, damit das Bild keine Qualitätsverluste hat. Die sechs MB haben Sie in vielen Gebieten aber nicht mit einem DSL- oder ADSL-Anschluss. Unser Angebot läuft auch mit zwei MB.
HB: Die reichen nicht, um Filme aus ihrer Videothek zu sehen.
Joussen: In dem Fall lade ich mir einen oder gleich mehrere Filme aus dem Internet auf die Festplatte der Vodafone-Media-Box. Das dauert etwas, aber ich zahle später auch nur, was ich tatsächlich sehe. So können Sie auch bei geringerer Bandbreite Filme in HD-Qualität schauen.
HB: Technisch gesehen ist das nur die B-Lösung.
Joussen: Es ist eine ideale Lösung, Internet-TV für jedermann und für die Fläche Deutschlands anzubieten. Und wir investieren sehr viel wirtschaftlicher, was zu attraktiven Preisen führen wird. Uns hat die gesamte Entwicklung des TV-Angebots einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag gekostet.
HB: Wollen Sie über das LockmittelFernsehen neue DSL-Kunden gewinnen und ihnen Bündel aus Internet, TV und Mobilfunk verkaufen?
Joussen: Natürlich wird es attraktive Bündel-Angebote geben. In erster Linie geht es mir aber darum, das Geschäft mit der Distribution von Inhalten auszuweiten. Da tun sich ganz andere Möglichkeiten auf: Ich könnte zum Beispiel den Produzenten eine bestimmte Abnahmemenge eines Films garantieren – und den mit geeigneter Werbung unter unseren Kunden verkaufen. So schnell erreicht eine Produktion sonst niemals eine Zielgruppe von 40 Mio. potenziellen Kunden. lou