Vodafone: Konzern baut auf Druck der Anleger um

Vodafone
Konzern baut auf Druck der Anleger um

Vodafone-Chef Vittorio Colao verpasst dem weltweit umsatzstärksten Mobilfunkbetreiber eine neue Struktur und ordnet die Minderheitsbeteiligungen in Polen, Indien, Frankreich und den USA neu. Damit reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Druck der Investoren.
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LONDON. Das Unternehmen löst seine Minderheitsbeteiligungen aus den bisherigen Regionalgesellschaften heraus und bündelt sie in einer separaten Einheit, die direkt dem Vorstandsvorsitzenden unterstellt wird.

Vodafone hält Anteile von unter 50 Prozent an Mobilfunkgesellschaften in Polen, Frankreich, Indien und in den Vereinigten Staaten. Man wolle durch die neue Organisation die Rendite für die Anteilseigener steigern, teilte das Unternehmen gestern mit. Analysten vermuten, dass dies in erster Linie durch den Verkauf der Minderheitsanteile passieren soll.

Colao hatte bereits bei der Hauptversammlung des Unternehmens Ende Juli Veränderungen angekündigt: „Wir sehen uns nicht als Verwalter von Minderheitsbeteiligungen“, sagte er. Anfang dieser Woche ließ er Taten folgen: Vodafone trennte sich von seinem 3,2-Prozent-Paket an China Mobile – dem weltweit größten Mobilfunker, gemessen an der Kundenzahl. Die Briten nahmen dadurch 4,3 Mrd. Pfund ein und haben so ihren ursprünglichen Einsatz verdoppelt.

Jetzt steht offenbar der Anteil am polnischen Mobilfunker Polkomtel ganz oben auf der Verkaufsliste. „Sollte eine angemessene Offerte kommen, wird Polkomtel verkauft“, verlautete aus dem Umfeld des Unternehmens. Als Käufer kommen vor allem Finanzinvestoren in Frage wie Apax Partners und Blackstone. Denn Telekomkonzerne wie die Deutsche Telekom und France Télékom haben in Polen bereits Beteiligungen. Der Verkauf der Polkomtel-Anteile könnte Vodafone nach Angabe von Analysten eine Mrd. Pfund einbringen.

Dauerfeuer der Investoren

Einige Investoren drängen schon lange auf eine Neuausrichtung des Unternehmens. Das Konzept des ehemaligen Vodafone-Chefs Chris Gent, in möglichst vielen Ländern Beteiligungen zu haben und eine Weltmarke zu etablieren, sei nicht aufgegangen. „Seit mindestens fünf Jahren weist das Unternehmen Schwächen auf, die zur Folge haben, dass der Konzern an der Börse mit einem erheblichen Abschlag auf seine Vermögenswerte gehandelt wird“, kritisiert etwa der kanadische Pensionsfonds OTTP.

Mit dem Umbau des Unternehmens will Vodafone zudem bisherige Strukturen vereinfachen. So gibt es künftig nur noch zwei statt drei Regionalgesellschaften. Die Europa-Einheit, in der die westeuropäischen Töchter zusammengefasst sind, wird um die osteuropäischen Beteiligungen erweitert. Chef bleibt Michel Combes. Die Sparte mit den übrigen Töchtern wird Nick Read führen, der bislang schon die Regionen Asien-Pazifik und Naher Osten verantwortet.

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