Vodafone Milliarden-Last in Indien verdirbt die Bilanz

Eine milliardenschwere Abschreibung in Indien hat dem britischen Telekomriesen Vodafone einen Milliardenverlust beschert. Operativ läuft es jedoch besser als erwartet, vor allem in Italien und Deutschland.
Update: 15.11.2016 - 14:02 Uhr Kommentieren
Der Umsatzdes Konzerns sackte im vergangenen Halbjahr um 3,9 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro ab. Quelle: Reuters
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Der Umsatzdes Konzerns sackte im vergangenen Halbjahr um 3,9 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro ab.

(Foto: Reuters)

LondonDer harte Wettbewerb auf dem Wachstumsmarkt Indien hat Vodafone einen Milliarden-Verlust eingebrockt. Der weltweit zweitgrößte Mobilfunkkonzern musste den Wert der dortigen Tochter um fünf Milliarden Euro mindern. In den ersten sechs Monaten des bis Ende März laufenden Geschäftsjahres 2016/17 stehe deshalb unter dem Strich ein Fehlbetrag von ebenfalls fünf Milliarden Euro nach 2,3 Milliarden Euro Verlust im Vorjahreszeitraum, teilte Vodafone am Dienstag in London mit.

Der indische Telekom-Markt ist in Aufruhr wegen des Neueinsteiger Reliance Industries. Das vom reichsten Mann des Landes, Mukesh Ambani, kontrollierte Unternehmen verkauft seit September unter der Marke Jio Gesprächsminuten und Megabyte an die mehr als eine Milliarde Inder. Da Jio sehr spät auf dem global zweitgrößten Telekom-Markt startete, versucht die Firma mit günstigen Datenpreisen und Gratis-Gesprächen Kunden zu locken.
Das Jio-Angebot von kostenlosen Telefonaten sei beispiellos, doch verlange die indische Marktaufsicht ein Ende der Aktion nach 90 Tagen. „Jede Firma muss Geld für ihre Leistungen verlangen, und dann werden wir sehen, wohin sich der Markt bewegt", sagte Vodafone-Chef Vittorio Colao. Der britische Traditionskonzern ist mit 200 Millionen Nutzern zweitgrößte Mobilfunkanbieter in Indien.

Im umsatzstarken Europa-Geschäft profitiert Vodafone vor allem vom Aufwärtstrend in Italien und Deutschland. Hierzulande steigerte die in Düsseldorf beheimatete Tochter dank neuer Festnetz- und Mobilfunkkunden den Service-Umsatz, bei dem Gerätesubventionen herausgerechnet sind, im ersten Halbjahr um gut zwei Prozent. Der Betriebsgewinn zog gleichzeitig um drei Prozent auf 1,8 Milliarden Euro an. Für den seit einem Jahr amtierenden Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter ist das ein großer Erfolg, da es zuvor dreieinhalb Jahre abwärtsging. Profitiert haben in der Zeit die Rivalen Telekom und die unter der Marke „o2“ bekannte Telefonica.

Konzernweit legte der bereinigte Betriebsgewinn von Vodafone um 4,3 Prozent zu auf 7,9 Milliarden Euro zu. Colao erklärte, das Geschäft in Europa laufe etwas besser als erwartet. Zugleich verwies er jedoch auf wirtschaftliche Unsicherheiten. Der Konzern dämpfte die Erwartungen für das Gesamtjahr ein. Colao rechnet nun mit einem Ebitda von 15,7 bis 16,1 Milliarden Euro. Bisher lautete die Prognose auf bis zu 16,2 Milliarden Euro.

  • rtr
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