Vodafone verkauft US-Geschäft
Zweitgrößte Übernahme aller Zeiten perfekt

Vodafone verkauft seinen Anteil an Verizon Wireless. Dafür erhalten die Briten 130 Milliarden Dollar in bar und in Aktien des Käufers Verizon. Vodafone war auch an der teuersten Übernahme der Geschichte beteiligt.
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New York/LondonVodafone verkauft für 130 Milliarden Dollar sein US-Mobilfunkgeschäft an den bisherigen Partner Verizon. Die Briten erhielten für ihren Anteil von 45 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen Verizon Wireless 59 Milliarden Dollar in bar, teilte Verizon am Montagabend nach Börsenschluss mit. 60 Milliarden Dollar werden in Verizon-Aktien gezahlt und weitere elf Milliarden Dollar fließen über andere Transaktionen in die Kassen von Vodafone. Der Käufer Verizon hält bereits 55 Prozent an dem größten und profitabelsten Handynetzbetreiber der USA.

Der Geldregen geht überwiegend an die Eigner des britischen Mobilfunkunternehmens: Die Briten kündigten an, 84 Milliarden Dollar an die eigenen Aktionäre auszuschütten. Weitere Milliarden sollen zum Schuldenabbau und für Investitionen genutzt werden. Mit dem Verkauf schreibt Vodafone wieder einmal Geschichte: Bereits an der teuersten Übernahme aller Zeiten war der Konzern beteiligt. Auf dem Höhepunkt der New Economy im Jahr 2000 zahlte Vodafone für den deutschen Mobilfunker Mannesmann 203 Milliarden Dollar.

Anleger waren bereits vor der Verkündung in Feierlaune: An der Londoner Börse schnellten die Vodafone-Aktien in der Spitze um vier Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit gut zwölf Jahren. Seit Bekanntwerden der Verkaufspläne Mitte vergangener Woche haben die Papiere damit 14 Prozent zugelegt. Die Verizon-Titel verloren in New York ein Prozent.

Das um die Jahrtausendwende gestartete Joint Venture stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Verizon versuchte bereits bald nach der Gründung, die Mobilfunkehe mit den Briten zu lösen und die komplette Kontrolle über das hochprofitable Geschäft zu erlangen. Vodafone hingegen wollte mehr Mitsprache über den Kurs von Verizon Wireless und Zugriff auf die vollen Kassen des hochprofitablen Unternehmens. Verizon lehnte das ab, es gab einen Dauerstreit. So musste Vodafone Verizon jahrelang anbetteln, bevor Dividenden ausgeschüttet wurden. Zuletzt kamen mehr als die Hälfte des operativen Gewinns bei Vodafone aus den USA. Vodafone konnte daher Dividenden in Milliardenhöhe an seine Aktionäre zahlen, obwohl die Geschäfte des Konzerns in Europa stark unter Druck standen.

Ein US-Ausstieg würde Vodafones Konturen deutlich verändern. Es entstünde ein kleinerer Konzern, der weniger gewinnträchtig und abhängiger von seinem Kerngeschäft in Europa ist. In den vergangenen 20 Jahren war Vodafone auf Einkaufstour und hatte sich Standbeine in rund 30 Ländern auf verschiedenen Kontinenten aufgebaut. Die jetzt absehbare Verschlankung hat bereits zu Spekulationen geführt, der britische Konzern könne nun selbst zum Übernahmeziel werden.

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