Vodafone verunsichert Kunden
„Bitte geben Sie hier Ihre Bankdaten ein“

Um herauszufinden, ob sie Opfer des Daten-Diebstahls geworden sind, sollen Kunden auf der Vodafone-Webseite ihre Bankdaten eingeben. Viele wittern einen Phishing-Versuch – Vodafone ertrinkt in einer Flut von Anfragen.
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DüsseldorfMehr als zwei Millionen Datensätze mit persönlichen Informationen von Vodafone-Kunden sind Anfang September aus den Datenbanken des Mobilfunkunternehmens gestohlen worden. Während es schon einen Tatverdächtigen gibt, herrscht bei den Kunden vor allem Verunsicherung vor. Groß ist die Sorge vor Missbrauch der erbeuteten Konto- und Adressdaten und davor, durch die Datenpanne des Unternehmens nun selber zum Ziel von Betrügern zu werden.

Mitten in die Verunsicherung platzt ein Serviceangebot des Mobilfunkunternehmens. Auf einer eigens eingerichteten Webseite können Kunden überprüfen, ob ihr Kundenkonto zur Beute der Datendiebe gehört. Doch die Art der Abfrage hat Vodafone aus Sicht viele Kunden denkbar schlecht gewählt. Ausgerechnet über die Eingabe ihrer Kontonummer und ihrer Bankleitzahl in ein schmuckloses Formular sollen sich Ratsuchende eindeutig identifizieren.

Moment einmal. Kontodaten eingeben? Ist das nicht genau das, wovor sonst immer alle warnen? Viele ohnehin schon verunsicherte Vodafone-Kunden sind vollends ratlos. Im Sekundentakt laufen an der Vodafone-Hotline und der Facebook-Seite des Unternehmens Anfragen ein. Die Menschen sind unsicher, ob wirklich Vodafone hinter dieser Seite steckt und nicht ein Betrüger. „Ich wollte gerade überprüfen, ob meine Daten betroffen sind, aber Angabe der Kontonummer und BLZ hat mich etwas misstrauisch werden lassen“, schreibt ein Nutzer auf Facebook.

Und er steht nicht alleine da. Sensible Kontodaten will kaum jemand auf einer Webseite eintragen – wenn es sich dabei nicht gerade um die der eigenen Bank handelt. Noch dazu wird Vodafone vom Blogger Sven Krohlas vorgeworfen, bei dem Formular eine veraltete Verschlüsselungstechnik zu benutzen. Ein Vorwurf, den Vodafone so nicht stehen lassen will. Die Verschlüsselung „RC4 128 Bit“ werde auch von Google, Mozilla, Microsoft und Twitter genutzt. Der Algorithmus sei nur zu knacken „unter Laborbedingungen auf lange Zeit“, heißt es in einer Stellungnahme. „Benutzer der Seite sind damit keinen praktischen Risiken ausgesetzt.“

Es kostet Vodafone einige Mühe, die Kunden davon zu überzeugen, dass ihre Hilfeseite kein getarnter Betrugsversuch ist. Sogar die Sprecherin von Facebook in Deutschland, Tina Kulow, veröffentlicht eine Mitteilung, dass es sich um eine sicheres Angebot handelt.

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Die Kunden sind wütend, das Netz spottet

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  • Ich bin ein Vodafone-Datengeschädigter und rege mich noch mehr über Vodafone-Schreiben und Reaktionen bzw. das Kleinreden von Gefahren auf.

    Was ist geschehen?

    Meine Kontoverbindungsdaten ( mit anderen, Namen, Adresse, Geburtsdateum ) wurden gestohlen. Alleine mit diesen Daten kann man im Internet einkaufen.

    Mein Risiko: Lastschriften muss ich zurückgeben, mein Konto muss ich ohnehin stets im Auge halten. Problematisch: Was, wenn derjenige ein Auslandskonto hat und es bereits aufgelöst ist bevor ich es zurück geben kann. Zweitens werden Überweisungen nicht geprüft bis zu einer Summe xxx € - zurückgeben? Unmöglich.

    Während Polizei und Bank empfehlen: Kontoverbindungen ändern - mit entsprechenden Kosten und Arbeit, sagt Vodafone ( nachdem ich den Vorstandsvorsitzenden anschrieb):

    "Gefahr für einen kontreten finanziellen Schaden ist sehr gering", wie denen "unabhängige Sicherheitsexperten" angeblich bestätigten.

    Deswegen fordere ich: http://openantrag.de/nrw/datenskandal-firmen-wie-im-fall-vodafone-bei-kontoverbindungs-ausspaehung-haftbar-machen-fuer-kartenkosten-uw

    Die Firmen müssen solche Fälle einpreisen bzw. Kunden unterstützen, präventiv unter minimalistischsten Kosten ( Übernahme Unternehmen !! ), wie ich hier bereits schrieb: http://www.piratenpartei.de/2013/09/20/ip-vorratsdatenspeicherung-verhindern-abmahnwahn-stoppen/comment-page-1/#comment-52734

    Ich bin froh, dass noch eine Bürgerrechte-Partei in NRW sitzt, die mir über Openantrag auch die Möglichkeit gibt, dieses Ungleichgewicht zu ändern.

    Die Kunden, Verbraucher und der Datenschutz sowie die Rechte von Verbraucher und Bürger müssen gestärkt werden!

  • Dämlicher als die Bankverbindung abzufragen geht es nicht. Wenn man schon eine Abfrage startet hätte man die Verifizierung deutlich besser über die Kundennummer gemacht.

    Ach, ich vergaß: Das Internet ist ja "Neuland".

  • Die Regierung=

    "Hart durchgreifen im Datenschutz?"

    Entscheidend sind die 30% Nichtwähler,
    denn Datenschutz ist faktisch abgeschafft.
    https://netzpolitik.org/2010/kommentar-naturlich-ist-schaar-ein-verrater bzw. http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-11/schaar-kommentar/komplettansicht

    REGIERUNG WILL besser schützen (2008): http://www.spiegel.de/politik/deutschland/datenklau-regierung-will-kunden-besser-schuetzen-a-595606.html
    Und was ist draus geworden: http://www.projekt-datenschutz.de ?

    Weitere lesenswerte Datenschutz-Berichte:
    http://www.croehnchen-klub.de/crohn-forum/index.php?page=Thread&threadID=91982
    https://netzpolitik.org/2013/datenschutz-einfach-stark-offener-brief-an-bundesinnenminister-dr-hans-peter-friedrich



    http://www.datenschutz.de/news/detail/?nid=5528

    Vergleiche auch http://www.crn.de/service/recht/artikel-97502.html vs. http://www.eu-infothek.com/article/vom-bremser-zum-antreiber-stirnrunzeln-eu-ueber-deutschland


    http://www.nordstern-net.de/component/content/article/52-archiv-janfeb-10/88-datenschutz

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