Vor allem in der Hightech-Lobby harter Widerstand
US-Firmen müssen Optionspläne genehmigen lassen

Thomas Siebel gab sich kämpferisch: Mit einer leidenschaftlichen Rede wehrte sich der Gründer des US-Softwarehauses Siebel Systems auf der Hauptversammlung gegen strengere Kriterien bei Aktienoptionen für Mitarbeiter. Optionen seien ein fundamentaler Wert der Firmenkultur.

NEW YORK. Er habe stets das Ziel, ein Unternehmen aufzubauen, das den Mitarbeitern gehöre. Was den Siebel-Chef so aufregte, war ein Antrag des großen Pensionsfonds TIAA-CREF, der strengere Kriterien bei Aktienoptionen forderte. Siebel hätte das Begehren am liebsten von der Tagesordnung der Hauptversammlung verbannt. Doch der Manager, den Aktienoptionen selbst zum Multimillionär machten, setzte auf Überzeugungskraft. Mit Erfolg: Die Aktionäre lehnten den Antrag mit knapper Mehrheit ab.

Künftig wird seine Überzeugungskraft Siebel in puncto Aktienoptionsplan nicht weiterhelfen. Denn die US-Börsenaufsicht SEC hat gestern beschlossen, dass alle Unternehmen, die an US-Börsen gelistet sind, künftig ihre Aktienoptionspläne von den Aktionären absegnen lassen müssen. Auch für eine Senkung des Optionspreises benötigen sie künftig das O.K. der Eigentümer. Bislang konnten US-Vorstände sich selbst Optionen ausschütten, ohne die Anteilseigner um Erlaubnis zu fragen. In Deutschland ist seit jeher die Zustimmung der Hauptversammlung erforderlich, was etwa bei der Deutschen Telekom und Daimler-Chrysler heftige Debatten um die Optionspläne auslöste.

Der Fall Siebel zeigt, dass Aktienoptionen in den USA zunehmend zum Reizthema werden. Optionen gewähren das Recht, eine Aktie während der Laufzeit zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Steigt der Aktienkurs in diesem Zeitraum über die Preisschwelle, dann ist die Option bares Geld wert.

Während des Börsenbooms verdienten die Chefs von US-Firmen Reichtümer mit Optionen. Bis heute machen Optionen mehr als die Hälfte der Gesamtbezüge der Top- Manager aus. Lange galten sie auch als Anreizinstrument für Manager, im Sinne der Aktionäre zu handeln.

Heute jedoch bezeichnen der US-Investor Warren Buffett und der ehemalige Notenbankchef Paul Volcker Optionen als Instrument, mit dem sich die Manager auf Kosten der Investoren bereichert haben. Besonders Hightech-Unternehmen wie Siebel spüren wachsenden Druck: Investoren fordern mehr Transparenz und Mitsprache bei den Optionsprogrammen.

„Große Fondsverwalter bewerten Optionsprogramme viel kritischer“, sagt Doug Friske, Partner der Unternehmensberatung Towers Perrin und US-Chef des Bereiches Vergütungskonzepte. An der Spitze der Bewegung stehen gewerkschaftliche Pensionfonds wie die TIAA-CREF, die 250 Mrd. $ Ruhestandsgelder für Lehrer verwaltet.

Neben der Genehmigungspflicht für Optionsprogramme und deren Konditionen fordern Kritiker auch, Aktienoptionen als Kosten zu erfassen. Denn bislang nutzten die meisten US-Unternehmen eine Bilanzregel, wonach Optionsprogramme an der Bilanz vorbei geschleust werden dürfen. Freiwillig wollen auf diesen Trick verzichten: Amazon.com, Ariba, Computer Associates, Level 3 Communications und USA Interactive. Die meisten US-Technologiefirmen sträuben sich jedoch noch – sie könnten aber bald gezwungen werden. Das privatwirtschaftlich organisierte Financial Accounting Standards Board (FASB) will bis Jahresende ein Reformkonzept erarbeiten, das vorsieht, Unternehmen zur Erfassung der Kosten von Optionsplänen zu verpflichten.

Verärgert sind viele Aktionäre, weil Optionspläne in den Gewinnrechnungen nicht auftauchen, die Anteilseigner aber trotzdem dafür bezahlen: Entweder dürfen Manager ihre Optionen gegen neue Aktien einlösen. Dann verteilt sich der Gewinn auf eine größere Zahl Aktien (Verwässerungseffekt) und das einzelne Papier ist weniger wert.

Alternativ kann eine Firma Aktien zurückkaufen, um ihre Optionsprogramme zu finanzieren. Das kostet Geld. „Im Boom störte der Verwässerungseffekt niemanden, nun aber sind die Investoren misstrauisch geworden“, sagt Towers-Berater Friske. Seiner Ansicht nach wird um dieses Bilanzreform bis zur letzten Minute gekämpft. Dagegen liegt dem US-Repräsentantenhaus ein Gesetzentwurf vor, der die FASB verpflichten soll, ihre Reformpläne für drei Jahre auf Eis zu legen. Die Initiative stammt von zwei Abgeordneten aus Kalifornien – dem Stammsitz der US-Hightechbranche.

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