Vor Beginn der Verkaufsphase
„Süddeutsche Zeitung“ lässt Finanzinvestoren kalt

Der Verkauf der „Süddeutschen Zeitung“ geht in die Endphase. Bereits in den nächsten Wochen kann die Veräußerung der größten deutschen Tageszeitung beginnen. Bisher gibt es jedoch kein Interesse von Finanzinvestoren. Spekuliert wird über einen Einstieg von David Montgomery in den Bieterwettbewerb.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass sich zwar einige Private-Equity-Firmen den Verlag angeschaut hätten. Ein ernsthaftes Interesse sei derzeit aber von keinem bekannt. Dass sich die Spekulationen dennoch so hartnäckig halten würden, sei wohl eher der Versuch, den Preis nach oben zu treiben. „Der Süddeutsche Verlag ist zwar eine starke Marke, aber die komplexe Eigentümerstruktur schreckt Finanzinvestoren ab“, sagt ein Fusionsberater einer Bank.

So müssten die Investoren mit sechs Eigentümergruppen übereinkommen, die zudem noch sehr unterschiedliche Interessen verfolgen. Ein weiteres Problem: Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), die selbst starkes Interesse am Süddeutschen Verlag hat, werde wohl auf alle Fälle an Bord bleiben. Das verkleinere den Spielraum von Finanzinvestoren, wenn es darum geht, etwa die Verschuldung des Verlages zu erhöhen, um die Transaktion zu finanzieren. Finanzinvestoren zahlen bei einer Übernahme nur einen kleinen Teil des Kaufpreises. Die weitaus größte Summe wird über Kredite finanziert, die anschließend dem gekauften Unternehmen aufgebürdet werden.

Hinzu kommen die komplexen juristischen Verträge zwischen den bisherigen Gesellschaftern, die unter anderem Vorkaufsrechte beinhalten. Sie sind selbst unter Rechtsexperten umstritten, ein weiteres Risiko, dass die Private-Equity-Firmen abschrecken würde, heißt es.

Bisher sind es vor allem Verlagskonzerne, die sich für das liberale Zeitungshaus interessieren. Nach Angaben aus Hamburger Verlagskreisen soll unter den Interessenten der britische Verlagskonzern Mecom von David Montgomery sein. Mecom war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Die Zeit“) hat bereits ihre Kaufinteresse am Süddeutschen Verlag bekundet.

Montgomery versucht derzeit, einen Zeitungskonzern in Deutschland aufzubauen. Erst vor zwei Wochen hatte Montgomery die Berliner Onlinezeitung „Netzeitung“ gekauft. Der Brite war im Oktober 2005 in den deutschen Zeitungsmarkt eingestiegen. Damals erwarb Montgomery für 163 Mill. Euro die „Berliner Zeitung“. In dem Verlag gilt Montgomery als Schreckgespenst. Er ist als eiserner Sparer bekannt, der von der laufenden Marktbereinigung profitieren will.

Seite 1:

„Süddeutsche Zeitung“ lässt Finanzinvestoren kalt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%