Vor der Buchmesse
Käufer lassen Bücher links liegen

Trübe Stimmung vor der Buchmesse: Händler und Verlage spüren bereits die Konjunkturschwäche. In den ersten neun Monaten des Jahres ging der Umsatz bereits um mehr als drei Prozent zurück. Der Optimismus ist verflogen, in der Branche geht die Angst um.

CANNES/MÜNCHEN. In der Buchbranche geht die Angst um. Händler und Verleger spüren bereits deutlich, dass die Deutschen in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten auch am Bücherkauf sparen, und rechnen deshalb mit einer sehr gedämpften Stimmung auf der Frankfurter Buchmesse, die morgen ihre Pforten öffnet.

"Wir haben keinen Grund zum Jubeln, denn wir können uns nicht von der Konjunktur abkoppeln", warnt Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Verleger geht bestenfalls von stagnierenden Einnahmen in der Branche aus. "Wenn wir es schaffen, in diesem Jahr den Umsatz zu halten, dürfen wir nicht unzufrieden sein", sagte er. Im vergangenen Jahr verbuchte die Buchbranche noch Rekorderlöse von 9,6 Mrd. Euro. Die Einnahmen der Verlage und Händler stiegen in diesem Zeitraum um 3,4 Prozent.

Viele Verleger fürchten allerdings, dass Honnefelder noch viel zu optimistisch ist. "Die Buchkonjunktur ist rückläufig", stellt Manuel Herder, Eigentümer und Chef des gleichnamigen Freiburger Verlags, fest. Auch die Verlagsgruppe Lübbe sieht schwarz. "Für die Buchbranche wird es nächstes Jahr happig", prognostiziert Verleger Stefan Lübbe. "Eine mögliche Rezession ist eine bislang noch unbekannte Erfahrung für die Branche."

In der Vergangenheit hatte die Buchbranche trotz aller Schwierigkeiten gerne Optimismus zur Schau getragen. Doch dieser ist verflogen. Nach einer Umfrage der Frankfurter Buchmesse zusammen mit dem Branchenblatt "Buchreport" erwarten nur noch zwölf Prozent der Führungskräfte in Publikumsverlagen 2008 einen höheren Umsatz als noch vor einem Jahr. Ein Drittel der Manager schätzt die Lage schlechter ein. 52 Prozent der Befragten gehen von einer weitgehend unveränderten Lage aus.

Der Buchhandel bekommt die Unsicherheit der Deutschen über die weitere wirtschaftliche Lage längst zu spüren. Schon in den ersten neun Monaten des Jahres gingen die Erlöse dort um 3,1 Prozent zurück. Insider erwarten angesichts der dramatischen Ereignisse der jüngsten Tage noch eine weitere Verschlechterung der Stimmung unter den Kunden. Das ist für Verleger und Händler eine kalte Dusche. Über viele Jahrzehnte war die Buchbranche auf Wachstum abonniert.

Den letzten großen Rückschlag verzeichnete die Branche nach dem Zusammenbruch der New Economy und durch die Verunsicherung nach den Anschlägen des 11. September 2001. Durch die derzeit schwelende Finanzkrise und die spürbare Kaufzurückhaltung droht nun der zweite, vielleicht noch schwerere Rückschlag. Und das ausgerechnet vor Weihnachten, der für den Handel wichtigsten Zeit des Jahres.

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