Vor Fusion mit Alcatel-Lucent Nokia schreibt schwarze Zahlen

Nokia spürt wieder Boden unter den Füßen. Vor der Fusion mit Alcatel-Lucent präsentiert der Netzwerkausrüster schwarze Zahlen. Die Lage bleibt jedoch angespannt. Kopfzerbrechen bereitet die operative Gewinnmarge.
Update: 30.04.2015 - 12:23 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen präsentiert vor der Übernahme von Alcatel-Lucent starke Zahlen. Quelle: Reuters
Nokia-Bilanz

Das Unternehmen präsentiert vor der Übernahme von Alcatel-Lucent starke Zahlen.

(Foto: Reuters)

HelsinkiDer finnische Mobilfunkausrüster Nokia hat mitten im Übernahmepoker um seinen französischen Rivalen Alcatel-Lucent mit einem schwachen Jahresauftakt überrascht. Wie der Konzern am Donnerstag in Helsinki mitteilte, brach der operative Gewinn im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 61 Prozent auf 85 Millionen Euro ein.

Als Gründe nannte Nokia-Chef Rajeev Suri niedrigere Software-Umsätze, höhere Entwicklungsausgaben, aber auch den Konkurrenzdruck vor allem in China. Er sieht durch die Zahlen seine Strategie bestätigt, den einstigen Mobilfunkpionier mit der Alcatel-Übernahme fitter zu machen für den Wettbewerb mit dem schwedischen Erzrivalen Ericsson.

Bei Anlegern sorgten die Zahlen für Enttäuschung. Zeitweise brachen die Aktien um 13,3 Prozent auf 5,87 Euro ein. Am Mittag lagen die Papiere noch rund acht Prozent im Minus. Analysten hatten im Schnitt mit einem Kernbetriebsgewinn von 226 Millionen Euro gerechnet. „Das Netzwerkgeschäft lief in den vergangenen zwei Jahren gut, deshalb ist der Einbruch eine Überraschung“, sagte Analyst Mikael Rautanen von Inderes Equity Research: „Die Frage ist, ob das ein Wendepunkt hin zum Schlechteren ist.“

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Die Geschichte von Nokia begann 1865: Damals baute Fredrik Idestam im Süden von Finnland eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später ließ er eine zweite nahe des Nokianvirta Flusses errichten – dieses Gewässer gab dem Unternehmen den Namen.

huGO-BildID: 23864095 Gummistiefel
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Im Jahr 1898 gründete Eduard Polón eine finnische Gummifabrik, die unter anderem Stiefel herstellte. Das Unternehmen ging 1967 gemeinsam mit der Papierfabrik und dem 1912 gegründeten Kabelunternehmen Finnish Cable Works in Nokia auf.

Mobira Cityman 900
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1987 stellte Nokia das erste mobile Handtelefon vor. Zuvor waren Mobiltelefone stets fest in Autos installiert. Das Handy mit dem Namen Mobira Cityman wog 800 Gramm und kostete rund 4560 Euro.

Nokia veröffentlicht Quartalszahlen
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Aus dem Gemischtwarenladen entwickelte sich über die Jahre ein erfolgreicher Technologiekonzern, auf den ganz Finnland stolz war. 1998 wurde Nokia zum weltweiten Marktführer im noch jungen Markt für Handys.

A staff member displays a Nokia N9 mobile phone during the CommunicAsia expo in Singapore
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Doch die Dominanz bröckelte, nachdem Apple das iPhone vorgestellt hatte. Der finnische Handyhersteller reagierte zu spät auf den Trend zu Smartphones – im Bild ein N9. Binnen weniger Jahre sank der Marktanteil der einstigen Nummer 1 von knapp 40 Prozent auf zuletzt 14 Prozent, bei Smartphones sieht es sogar noch schlechter aus. Nokia rutschte tief in die roten Zahlen.

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Auch im Anfang Oktober veröffentlichten Markenranking des Beratungshaus Interbrand flog Nokia aus den besten zehn Marken weltweit raus. Das Unternehmen führte die Liste der größten Markenwertverlierer an. Gegenüber dem Vorjahr hat der Name15 Prozent an Wert verloren.

Nokia chief executive Stephen Elop welcomes Microsoft chief executive Steve Ballmer with a handshake at a Nokia event in London
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Im Februar 2011 kündigte der Handyriese an, bei Smartphones künftig auf sein hauseigenes Betriebssystem Symbian zu verzichten. Stattdessen ging Nokia-Chef Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) eine Kooperation für seine Handy-Software ein. Im September 2013 dann der Paukenschlag: Microsoft kündigte an, das Handy-Geschäft der Finnen komplett zu übernehmen. Elop wechselt zu Microsoft. Bei Nokia verbleiben die Netzwerksparte NSN, der Kartendienst Here sowie die Patente. Im April 2014 war der Deal endgültig abgeschlossen.

Suri sagte, zurzeit sei der Investitionsaufwand für Nokia eine Herausforderung: "Außerdem bekommen wir überall etwas mehr Konkurrenz zu spüren." Im Gesamtjahr erwartet der Konzern eine Umsatzrendite zwischen acht und elf Prozent. In einer Reuters-Umfrage hatten Analysten mit elf Prozent gerechnet. Beim Umsatz übertraf Nokia die Markterwartung mit 3,2 Milliarden Euro.

Neben Ericsson konkurriert Nokia im Netzwerkgeschäft vor allem mit dem chinesischen Billig-Anbieter Huawei. Mit der Übernahme von Alcatel-Lucent will Nokia bis 2019 seine Kosten um 900 Millionen Euro senken. Auf dem Tisch liegt ein Angebot von 15,6 Milliarden Euro in Aktien. "Wir haben in den letzten Wochen mit vielen Investoren gesprochen und es gab ein sehr starkes, gutes Feedback", sagte Suri. Allerdings lehnt der "Financial Times" zufolge der zweitgrößte Alcatel-Aktionär, Odey Asset Management, die Nokia-Offerte bisher als zu niedrig ab.

Mit einem schwächelnden Geschäft kämpft auch Marktführer Ericsson. Die Schweden hatten für das erste Quartal einen Gewinneinbruch um fast ein Fünftel auf 225 Millionen Euro gemeldet. Kurzfristig sei keine Besserung in Sicht.

  • rtr
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