Vorbild USA
Werbewirtschaft plädiert für Multimedia-Reichweite

Die Forderung der Medienindustrie, eine multimediale Reichweite einzuführen, ist von der Werbebranche positiv aufgenommen wurden. Die Auflagenkontrolle IVW diskutiert nun den Reformvorschlag, in den USA werden Leser der gedruckten Zeitung und der Online-Zeitung bereits zusammengezählt.
  • 0

NEW YORK/DÜSSELDORF. Die Werbebranche reagiert positiv auf die Forderung der Medienindustrie, eine multimediale Reichweite einzuführen. „Der Markt begrüßt die Initiative von Axel Springer, künftig Print- und Onlinereichweite gemeinsam zu betrachten. Die dafür gültigen Währungen müssen allerdings im Marktkonsens erarbeitet werden“, sagte Manfred Kluge, Chef der Omnicom Media Group Germany, dem Handelsblatt.

Aus Sicht einer Mediaagentur sei eine multimediale Reichweite eine große Bereicherung. „Ehrlich gesagt, habe ich mich gewundert, dass die Medienunternehmen nicht schon viel früher die multimediale Reichweite ihrer Marken in den Fokus der Forschungsaktivitäten gestellt haben“, sagte Kluge.

Die Medienunternehmen stehen unter großem Druck, denn die Einnahmen aus dem klassischen Mediengeschäft stagnieren oder gehen zurück. Die Online-Erlöse bleiben weit hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück. So erzielte Gruner+Jahr („Brigitte“, „Geo“) im ersten Halbjahr Online-Einnahmen von nur knapp 14 Mio. Euro in Deutschland. Auf das Flagschiff „Stern“ entfielen davon 2,15 Mio. Euro, berichtete der Branchendienst Kontakter am gestrigen Montag. „Die Verlage müssen Gas geben, um das strategisch entscheidende Thema Reichweite in den Griff zu kriegen“, forderte Kluge.

Die Einführung einer Multimedia-Reichweite wird allerdings noch einige Zeit dauern. Die Auflagenkontrollbehörde IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) prüft hinter verschlossenen Türen die Weiterentwicklung ihres bisherigen Verfahrens für die Erfassung von digitalen Medienangeboten. „Hierzu werden Modelle diskutiert, die insbesondere auch die Anbindung digitaler Angebote an klassische Medienangebote berücksichtigen“, sagte IVW-Chef Manfred Parteiner dem Handelsblatt. Laut Insidern gehen intern die Meinungen aber weit auseinander. „In der IVW gibt es eine Diskussion, die noch lange nicht abgeschlossen ist“, sagte Volker Nickel, Geschäftsführer des Werbeverbands ZAW gestern.

Auch bei den Agenturen rechnet derzeit kaum jemand mit einer schnellen Kehrtwende. „Wenn wir eine multimediale Reichweite innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre einführen können, haben wir einen exzellenten Job gemacht“, sagte Werbemanager Kluge.

Eine Neudefinition der Reichweite ist für die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage von großer Bedeutung. Die Werbebranche prognostiziert, dass 2014 jeder dritte Werbe-Euro in das Internet fließen wird. Davon profitiert zurzeit vor allem der Internetgigant Google. Nach Schätzungen von Mediaagenturen wird Google allein 2010 rund zwei Mrd. Euro durch Online-Werbung in Deutschland einnehmen.

Seite 1:

Werbewirtschaft plädiert für Multimedia-Reichweite

Seite 2:

Kommentare zu " Vorbild USA: Werbewirtschaft plädiert für Multimedia-Reichweite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%