Vorentscheidung im Fusionsverfahren fällt übernächste Woche – Zahl der Abonnenten steigt
Kabel Deutschland drückt aufs Tempo

Der Übernahmekampf um das deutsche TV-Kabelnetz steuert auf eine Entscheidung zu. Am 23. August sei mit einem Zwischenergebnis zu rechnen, ob das Bundeskartellamt der Fusion der Kabel Deutschland GmbH (KDG) mit kleineren Wettbewerbern zustimmen werde, sagte eine Sprecherin der Behörde gestern auf Anfrage des Handelsblatts. KDG-Chef Roland Steindorf warnt gleichzeitig vor den negativen Folgen bei einem Veto der Wettbewerbshüter.

HB MÜNCHEN. Der deutsche Marktführer KDG will die regionalen Wettbewerber Ish in Nordrhein- Westfalen, Iesy in Hessen und Kabel Baden-Württemberg für insgesamt 2,7 Mrd. Euro übernehmen. Die Unternehmen haben nach dem Zwischenbescheid des Bundeskartellamtes nochmals die Möglichkeit zu einer Stellungnahme. Die endgültige Entscheidung soll bis 7. Oktober fallen

KDG-Chef Steindorf rechnet mit dem Segen des Kartellamtes. Zugleich warnt er jedoch vor einer negativen Entscheidung. Die Folge wäre ein Rückschlag für das digitale Fernsehen in Deutschland, sagte Steindorf dem Handelsblatt. Es käme dann zu „Verzögerungen von zwei bis drei Jahren“.

KDG würde durch die Übernahmen die Zahl der Kunden auf 17,2 Millionen fast verdoppeln. Damit würde auch das alte Monopol wieder hergestellt; bis 2000 war das gesamte TV-Kabelnetz in Besitz der Deutschen Telekom. Vor drei Jahren war die Übernahme eines Großteils der Kabelregionalgesellschaften durch Liberty Media am Veto des Kartellamtes gescheitert.

Der Widerstand von kleineren Kabelfirmen und großen Fernsehsendern wie RTL und Pro Sieben Sat 1 gegen die neue Fusion ist auch diesmal groß. Die Kabelbetreiber fürchten einen Monopolisten, der ihnen die Preise vorschreibt. Die TV-Sender haben Angst um ihre Werbeeinnahmen, wenn durch die Digitalisierung der Netze mehr Anbieter in den Markt drängen.

Nach Informationen aus der Branche sind derzeit nicht alle Bedenken des Kartellamtes gegen die Fusion ausgeräumt. Grundsätzlich könne man ein Monopol im Kabelmarkt tolerieren, wenn das Unternehmen im Gegenzug bei schnellen Internetanschlüssen für mehr Wettbewerb mit Marktführer Deutsche Telekom sorgen würde, heißt es. Doch das Bekenntnis der KDG dazu fällt nach Ansicht von Konkurrenten nicht überzeugend aus, zumal das Unternehmen sich in einem Emissions-Prospekt für eine Anleihe sehr vorsichtig äußert: „Wir planen keine weit reichende Aufrüstung der Kabelnetze“, heißt es darin. Steindorf sieht da aber keinen Widerspruch zu der grundsätzlichen Bereitschaft, die Netze aufzurüsten. Man werde investieren, wo es wirtschaftlich sei. „Die Investitionen müssen sich innerhalb eines gewissen Rahmens bewegen. Der Rahmen sind 180 Mill. Euro jährlich“, sagte er. Zugleich betont er, man müsse bei den Internetangeboten Tempo machen: „Wenn wir den Markteintritt nicht zeitnah schaffen, baut die Telekom ihre Dominanz weiter aus.“

Derzeit ringt Steindorf mit den TV-Sendern um die Zustimmung zur geplanten Digitalisierung des Kabelangebots. Fünf Verträge mit kleineren Sendern seien bereits geschlossen. „Mit Pro Sieben Sat 1 sind wir in fortgeschrittenen, sehr intensiven Gesprächen. Ob wir zu einem Abschluss kommen, ist noch offen“, sagte der KDG-Chef. Eine Sprecherin des Münchener TV-Konzerns sieht die Sache anders: „Im Augenblick gibt es keinen Fortschritt bei den Gesprächen.“

Dessen ungeachtet baut KDG seine Kundenzahl nach den Rückgängen 2003 wieder aus. In den ersten zwei Quartalen 2004 stieg die Zahl der Kabel-Abonnenten um 45 000, sagte Steindorf. Insgesamt kommt KDG nun auf etwa 9,7 Millionen. Darunter seien bereits 100 000, die die neuen digitalen Programme der KDG abonniert hätten. Die operative Gewinnmarge (Ebitda) liege bei über 40 Prozent – nach 32 Prozent Anfang 2003. Damals übernahmen die Finanzinvestoren Goldman Sachs Capital, Apax und Providence Equity 95,5 Prozent. Steindorf schwebt ein Börsengang für 2005 vor, aber die Finanzinvestoren prüfen noch. „Eine Umwandlung in eine AG ist vorerst nicht geplant“, räumte Steindorf ein.

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