Vorsichtiger Ausblick Cisco schreckt die ganze Branche auf

Das Geschäft des Netzausrüsters Cisco läuft glänzend. Doch mit einem skeptischen Ausblick schockiert der Konzern Investoren und die gesamte High-Tech-Industrie. Womöglich werde es der Weltwirtschaft in den nächsten Monaten doch nicht so gut gehen wie erhofft, sagte Unternehmenschef John Chambers.
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Cisco-Chef John Chambers: "Wir sehen eine ungewöhnliche Unsicherheit auf dem Markt". Quelle: ap

Cisco-Chef John Chambers: "Wir sehen eine ungewöhnliche Unsicherheit auf dem Markt".

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MÜNCHEN. Gewöhnlich blickt John Chambers voller Optimismus in die Zukunft. Umso mehr waren Analysten und Anleger alarmiert, als der Chef des Netzausrüsters Cisco einen zurückhaltenden Ausblick auf das laufende Quartal abgab. "Wir sehen eine ungewöhnliche Unsicherheit im Markt", sagte der Manager und ergänzte, von den Kunden kämen "gemischte Signale".

Die Investoren nahmen die Worte des erfahrenen Unternehmenslenkers gestern als Warnsignal auf: Womöglich werde es der Weltwirtschaft in den nächsten Monaten doch nicht so gut gehen wie erhofft. Vor allem die Aussichten in den USA und Europa seien schwer zu beurteilen, meinte der 60-Jährige. Die schleppende Erholung der US-Wirtschaft dämpfe den unternehmerischen Mut und ziehe ungewöhnlich vorsichtige Entscheidungen nach sich, erläuterte Chambers.

Weltweit stürzten daraufhin die Kurse von IT-Unternehmen ab. Im frühen Handel in New York gingen die Cisco-Aktien in einem schwachen Umfeld um bis zu zehn Prozent auf 21,40 Dollar in die Knie. Die Papiere des Konkurrenten Juniper Networks brachen um sieben Prozent ein. Auch andere große amerikanische IT-Konzerne wie IBM oder Hewlett-Packard mussten Einbußen hinnehmen. In Frankfurt gehörte der Chiphersteller Infineon mit einem Minus von zeitweise mehr als zwei Prozent auf etwa 4,60 Euro zu den größten Verlierern im Dax.

Cisco gilt als Gradmesser für den Zustand der gesamten IT-Branche, mindestens zwei Drittel des weltweiten Datenverkehrs laufen über die Technik des Konzerns aus dem Silicon Valley. Das Unternehmen stellt sogenannte Router und Switches her, die in den meisten Firmennetzen stecken. Die Zahlen von Cisco spiegeln somit auch die Investitionsbereitschaft vieler Industrien wider.

Für die meisten Beobachter kamen die skeptischen Aussagen von Chambers völlig unerwartet. Denn zahlreiche andere große IT-Konzerne hatten in den vergangenen Wochen durchweg positive Prognosen abgegeben. Ein Ende des starken Aufschwungs sei nicht absehbar, teilte Intel, der weltgrößte Chiphersteller, jüngst mit.

Auch Cisco geht es bis jetzt noch glänzend, in den Mittwochnacht vorgelegten neuesten Zahlen ist von einer Kaufzurückhaltung der Kunden nichts zu spüren. "Wir sind extrem zufrieden mit unseren Ergebnissen", sagte Europachef Chris Dedicoat gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Umsatz ist in dem am 31. Juli zu Ende gegangenen vierten Geschäftsquartal um 27 Prozent auf 10,8 Mrd. Dollar geklettert. Analysten hatten zuvor mit leicht höheren Erlösen von 10,9 Mrd. gerechnet. Der Gewinn sprang im Vergleich zum Vorjahr um 79 Prozent auf 1,9 Mrd. Dollar.

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