Vorstand und Aufsichtsrat entlastet
Umbaupläne dominieren Telekom-Hauptversammlung

Der heftige Streit um die Auslagerung von 50 000 Arbeitsplätzen hat bei der Telekom-Hauptversammlung andere Themen in den Hintergrund treten lassen. Ungeachtet der Proteste hält Vorstandschef René Obermann jedoch an seiner Strategie fest. Und er bekam dafür auf dem Aktionärstreffen auch Rückendeckung.

HB KÖLN. Die Aktionäre der Deutsche Telekom haben auf der Hauptversammlung am späten Donnerstagabend Vorstand und Aufsichtsrat mit großer Mehrheit entlastet. Die Zustimmung liege bei rund 99 Prozent, teilte die Gesellschaft in Köln mit. Gebilligt wurde zudem die Ausschüttung einer Dividende von 0,72 Euro je Aktie.

Kritik erntete der Telekom-Chef auf der Hauptversammlung vor allem von Belegschaftsaktionären, die ein Ende der Einschnitte bei den Mitarbeiterkonditionen forderten. Das Unternehmen sei in eine wettbewerbliche Schieflage geraten und dringend reformbedürftig, sagte dagegen Obermann am Donnerstag vor den 8500 Aktionären in Köln. Die Kosten müssten gesenkt werden.

Begleitet war das Aktionärstreffen in Köln wieder von bundesweiten Warnstreiks, an denen sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 15 000 Telekom-Beschäftigte beteiligten. Nachdem die Verhandlungen zwischen Telekom und Gewerkschaft über den Stellenumbau in der vergangenen Woche ergebnislos abgebrochen worden waren, droht nun der größte Arbeitskonflikt seit Privatisierung des Unternehmens vor zwölf Jahren. An diesem Freitag soll die Große Tarifkommission die Urabstimmung über Durchführung von Streiks beschließen.

Neben dem Stellenumbau, den die Telekom bereits zum 1. Juli umsetzen möchte, plant Obermann wieder Zukäufe im Ausland, um das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückzuführen. „Allein aus dem Deutschlandgeschäft heraus werden wir nicht weiter als Konzern wachsen können“, sagte er.

Nach der Ablehnung eines entsprechenden Tarifangebots für die betroffenen Mitarbeiter durch die Gewerkschaft Verdi will der Telekom-Vorstand T-Service nun im Alleingang gründen. „Zusätzlich werden wir uns jetzt mit einem möglichen Verkauf von Teilen der Servicebereiche an Drittanbieter auseinandersetzen müssen“, warnte Obermann. Das Angebot der Telekom, das eine Lohnkürzung um neun Prozent und eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit um vier Stunden vorsieht, hält er aufrecht. „Die Tür für eine Einigung mit Verdi bleibt offen.“

Die Fondsgesellschaft DWS stellte sich hinter die Umbaupläne von Obermann. „Hindert man ein Unternehmen daran, mit wettbewerbsfähigen Kosten zu agieren, werden alle verlieren, das Unternehmen und die Beschäftigten“, sagte Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Er kritisierte indes die Akquisitionspläne der Telekom-Führung als „vage“ und regte einen Verkauf der Mobilfunktochter T-Mobile USA an, was Obermann umgehend zurückwies. T-Mobile sei integraler Bestandteil des Konzerns. Die US-Tochter werde 2007 und 2008 insgesamt fünf Mill. Kunden gewinnen und damit zum Wachstum des Konzerns beitragen.

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