Vorstandschef Tom Glocer sieht Erfolge mit neuen Produkten, doch der Umsatz schrumpft noch immer: Reuters steuert auf den Wendepunkt zu

Vorstandschef Tom Glocer sieht Erfolge mit neuen Produkten, doch der Umsatz schrumpft noch immer
Reuters steuert auf den Wendepunkt zu

Die Schrumpfkur des Finanzinformationskonzerns Reuters Group Plc zeigt Erfolge. Der Umsatzrückgang hat sich deutlich verlangsamt, neue Produkte sind am Markt erfolgreich und die Finanzlage des Unternehmens hat sich dank kräftiger Kostensenkungen verbessert.

dih LONDON. Doch der deutliche Gewinnanstieg, den das Unternehmen gestern für 2004 berichtete, ist erneut zu einem großen Teil das Ergebnis von Beteiligungsverkäufen. Analysten kritisierten, dass die Umstrukturierung zu lange dauere.

Im laufenden Jahr werde Reuters von der Erholung zum Wachstum übergehen, versprach Tom Glocer, der amerikanische Chef des britischen Traditionsunternehmens, in einer im Internet übertragenen Analystenkonferenz. „Ende des Jahres werden wir eine solide Basis für Wachstum erreicht haben“, sagte er. Im Laufe des Jahres werde er seine Strategie skizzieren. Sowohl Glocer als auch Finanzchef David Grigson äußerten sich nicht klar, wann sie die Wende zu wachsenden Umsätzen erwarten.

Offiziell bleibt Reuters bei der Vorhersage, dass die Umsätze aus dem angestammten Geschäft mit dem Verkauf von Informationen an Kunden aus der Finanzindustrie im ersten Quartal 2005 nur noch um 1,5 Prozent schrumpfen werden. Im zweiten Quartal sei auf Basis der guten Januar-Zahlen eine „weitere graduelle Verbesserung“ zu erwarten.

Träte die Wende tatsächlich zur Jahresmitte ein, dann wäre der Umsatzrückgang im Kerngeschäft nach vier schweren Jahren gestoppt. Das 1851 von dem Deutschen Paul Julius Reuter gegründete Unternehmen hatte jahrzehntelang stark vom Wachstum der internationalen Finanzmärkte profitiert und hervorragende Renditen erzielt.

Doch die dominierende Stellung von Reuters als Lieferant von Finanzinformationen und von Produkten für den elektronischen Handel wurde seit den Neunzigerjahren mit wachsendem Erfolg vom aggressiven New Yorker Konkurrenten Bloomberg LP attackiert. Die teilweise radikalen Sparprogramme in großen Banken ließen zugleich die Kundenbasis schrumpfen. Der amerikanische Vorstandschef Glocer will den Konzern mit dem Sparprogramm „Fast Forward“ gesund schrumpfen.

Analysten zeigten sich jedoch enttäuscht, dass das Programm nun erst 2006 das Ziel von 440 Mill. Pfund (637 Mill. Euro) Einsparungen erreichen soll. Bis Ende 2005 sollen es lediglich 340 Mill. Pfund sein, wobei Reuters weitere 80 Mill. Pfund Kosten für die Umsetzung des Programms buchen wird. „Die Restrukturierungskosten steigen. Das ist einfach keine gute Nachricht“, sagte Jonathan Barrett von Williams de Broe.

Der Umsatz der Reuters-Gruppe ist 2004 um weitere elf Prozent auf 2,89 Mrd. Pfund zurückgegangen. Der Gewinn vor Steuern verachtfachte sich zwar auf 438 Mill. Pfund, doch darin enthalten sind 206 Mill. Pfund Gewinn aus dem Verkauf von Beteiligungen. Dabei handelt es sich vor allem um Anteile an dem Finanzsoftwareanbieter Tibco.

Im laufenden Jahr könnte Reuters weitere Beteiligungen verkaufen und die Ergebnisse so aufbessern. Kurz vor dem Abschluss steht offenbar der Verkauf des New Yorker Unternehmens Radianz, eines Betreibers von Datennetzen für die Finanzindustrie. Reuters will Radianz erst für 110 Mill. Dollar komplett von der Equant NV übernehmen und das Unternehmen dann an die BT Group veräußern. Eine BT-Sprecherin bestätigte, dass Verhandlungen laufen. Ein Abschluss sei aber noch nicht in Sicht. Auch die Reuters-Anteile an der elektronischen Handelsplattform Instinet im Wert von rund 1,3 Mrd. Dollar stehen weiterhin zum Verkauf.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%