Vorstandschef Zeiler übernimmt wieder Kölner Sender: RTL trennt sich von Conrad

Vorstandschef Zeiler übernimmt wieder Kölner Sender
RTL trennt sich von Conrad

Nach kaum mehr als hundert Tagen trennt sich der größte deutsche Privatsender RTL von seinem Chef Marc Conrad. Die Geschäftsführung der Kölner Bertelsmann-Tochter übernimmt wieder Conrads Vorgänger und Vorstandsvorsitzender der RTL-Group, Gerhard Zeiler.

HB KÖLN. Seine Stellvertreterin wird Anke Schäferkordt, Chef der RTL-Senders Vox in Köln. Die ehrgeizige 42-jährige Westfälin wird Finanzen, Technik, Information und Medienpolitik und die Werbetochter IP verantworten. Die Ablösung Conrads kam wenig überraschend. Seit Wochen wurde über einen frühzeitigen Abgang des 44-jährigen Luxemburgers spekuliert. Conrad hatte es nicht verstanden, das Programm neu auszurichten. Künftig kümmert sich der TV-Manager wieder um sein TV-Produktionsgeschäft.

Conrad holte deutschen Privatsender nicht aus dem Quotentief

Mit seiner Personalauswahl hat Gerhard Zeiler, Vorstandsvorsitzender des Fernsehkonzerns RTL Group, erstmals kein Glück. Sein Wunschkandidat für die Geschäftsführung bei Deutschlands größtem Privatsender RTL in Köln, Marc Conrad, erwies sich als Fehlgriff. Zeiler und Conrad trennen sich nach nur dreieinhalb Monaten. Das persönliche Verhältnis sei aber nach wie vor gut, betonte Zeiler in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

RTL steht derzeit unter großem Druck. Im vergangenen Jahr sank der Zuschaueranteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen um 1,4 % auf 16,8 %. Die Konkurrenten Sat 1, ARD und ZDF legten zu. Hinzu kommen hausgemachte Probleme. Vor allem an den Wochenenden kann RTL an die früheren Erfolge derzeit nicht anknüpfen.

Conrad wird sich künftig wieder als selbstständiger TV-Produzent in Köln betätigen. Innerhalb Bertelsmann-Konzerns hatte der TV-Manager schon lange keinen großen Rückhalt mehr. In seiner Zeit als RTL-Chef machte er mehr wegen seines Privatlebens von sich reden als mit seinen Programmideen. Heute zog Zeiler die Notleine. Der 49-Jährige will sich nun darauf konzentrieren, dass RTL-Programm zu reformieren. Seine Stellvertreterin Anke Schäferkordt wird sich um die Werbetochter IP kümmern.

Conrad war bereits bis 1998 unter dem damaligen Geschäftsführer Helmut Thoma als Programmdirektor für RTL tätig gewesen. In dieser Phase galt er als „knallharter“ Programmmacher mit dem Riecher für die richtigen Formate. Danach machte er sich mit seiner Produktionsfirma typhoon networks ag selbstständig, die unter anderem für RTL die Serie „Abschnitt 40“ produziert und die Comedy „Freitag Nacht News“.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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