Wachstumsbremse
IT-Branche beklagt alarmierenden Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in der Informationstechnologie (IT) nimmt immer größere Ausmaße an. Nachdem der Branchenverband Bitkom entsprechende Zahlen vorgelegt hat, nannte die Bundesregierung die wachsende Lücke eine „fast schon dramatische“ Entwicklung.

HB BERLIN. Bitkom sprach am Mittwoch in Berlin von 43 000 fehlenden Experten. Vor einem Jahr wurde die Zahl fehlender Fachkräfte in der Informations-, Kommunikations- und Telekommunikationsbranche noch auf 12 000 beziffert. Ein nicht unerheblicher Teil des Wirtschaftswachstums könne daher nicht realisiert werden, kritisierten Wirtschaft und Bundesregierung.

Der anhaltende Fachkräftemangel ist auch ein Schwerpunktthema auf dem zweiten nationalen IT-Gipfel am kommenden Montag in Hannover, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie mehrere Bundesminister, Top-Manager sowie Wissenschaftler teilnehmen.

Nach Angaben von Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer gibt es nach einer Firmenbefragung derzeit 18 000 offene Stellen für Experten der Informations- und Kommunikationstechnik. Weitere 25 000 Stellen entfielen auf Wirtschaftszweige, in denen Informationstechnologie zum Einsatz kommt. 60 Prozent der Branchen-Unternehmen suchten zusätzliche Mitarbeiter, vor allem hochqualifizierte Software-Entwickler und IT-Manager.

„Das deutsche Bildungssystem kann den aktuellen Bedarf der Wirtschaft nach Fachkräften in vielen Bereichen nicht mehr decken“, sagte Scheer. Ein Viertel der Firmen mit offenen IT-Stellen müsse Aufträge ablehnen, weil geeignete Mitarbeiter fehlten. Nicht besetzte Stellen kosteten die Branche in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro.

Der Fachkräftemangel kann laut Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling nicht nur über gelockerte Regelungen für die Zuwanderung mittel- und osteuropäischer Experten gelöst werden, auf die sich die Koalition verständigte. Nötig seien auch Initiativen der Wirtschaft. Zudem müssten mehr ältere IT-Experten mobilisiert und mehr Frauen für die Branche gewonnen werden. Der für den Mittelstand zuständige Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte kritisierte die Einkommensgrenze von 85 000 Euro im Jahr für Inhaber der „Greencard“ als zu hoch. Im ersten Halbjahr 2007 habe es nur 256 der Aufenthalts- und Arbeits-Bewilligungen für ausländische IT-Experten gegeben.

Bereits auf dem ersten nationalen „IT-Gipfel“ im Dezember vergangenen Jahres in Potsdam hatte die Wirtschaft über fehlende Experten geklagt. Die Branche setzt laut Bundesregierung jährlich rund 146 Mrd. Euro um, ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liege bei sechs Prozent. Deutschland sei weltweit der drittgrößte IT-Markt nach den USA und Japan. Auf dem zweiten nationalen IT-Gipfel sollen auch die Wachstumschancen der Branche sowie Fragen der Internet- Sicherheit und Infrastruktur erörtert werden. Die Ergebnisse der hochkarätig besetzten High-Tech-Runde in der niedersächsischen Landeshauptstadt sollen in einer „Hannoverschen Erklärung“ zusammengefasst werden.

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