Wachstumsmarkt
Chinesen kaufen mehr Smartphones als Amerikaner

Der Smartphone-Markt in den USA wächst nur noch im Schneckentempo und hat die Vormachtstellung gegenüber China verloren. Dort müssen westliche Anbieter vor allem lokale Apps auf die Geräte bringen, um zu begeistern.
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San FranciscoNach Erhebungen der Marktforscher von Canalys wurden im ersten Quartal 2012 weltweit 146 Millionen mobile Handheld-Computer ausgeliefert, ein Plus von 45 Prozent. Dabei werden aber immer deutlichere Unterschiede in der regionalen Gewichtung sichtbar. Während der US-Markt im Jahresvergleich nur noch um fünf Prozent zulegen konnte, explodierte der Absatz im asiatisch-pazifischen Raum um 81 Prozent. Besonders verrückt nach Smartphones zeigen sich die Chinesen, der Markt verdoppelte sich und übertraf laut Canalys damit zum ersten Mal die US-Verkäufe auch in absoluten Zahlen.

Rund 22 Prozent aller Smartphones finden heute in China einen Käufer, der US-Anteil liegt noch bei 16 Prozent. Im ersten Quartal sind allerdings regionale Besonderheiten zu berücksichtigen, so treibt das chinesische Neujahrsfest traditionell die Umsätze. Die Geschenkfreudigkeit ist vergleichbar mit dem westlichen Weihnachtsfest im Dezemberquartal.

Ein repräsentatives Geschenk ist da zweifellos ein iPhone: „Das chinesische Neujahr und der Verkaufsstart des 4S bei zwei großen Mobilfunkanbietern haben Apples Anteil auf 19 Prozent hochschnellen lassen“, so Nicole Peng von Canalys Shanghai. Bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen hatte Apple-CEO Tim Cook bereits die Bedeutung des asiatisch-pazifischen Raums als Wachstumsmotor hervorgehoben. Die Entwicklung in der Volksrepublik China sei schlicht „überwältigend“, hatte Cook im Analystengespräch erklärt. Der Gesamtumsatz von Apple in der Volksrepublik China im Quartal lag bei 7,9 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im ganzen Geschäftsjahr 2011 waren es noch 13,9 Milliarden. „Für jeden, der China versteht, eröffnen sich hier enorme Möglichkeiten“, so Cook. „Und wir versuchen alles, um China zu verstehen.“

Das versuchen allerdings auch andere und mit erheblichem Erfolg: Denn den ersten Platz in China hat sich Apples Erzfeind Samsung mit 22 Prozent gesichert. Eine „breite Palette von lokal angepassten Geräten zusammen mit enormem Marketingaufwand“ hätten dazu beigetragen. Eine bittere Niederlage für den kalifornischen Konzern. Apple und die koreanische Samsung stehen sich derzeit in mehreren Gerichtsverfahren unversöhnlich gegenüber. Dabei geht es um Patente und Geschmacksmusterschutz.

Auf der Erfolgswelle schwimmen Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem, die zwei Drittel aller ausgelieferten Geräte in China ausmachen. Als wichtigen Wettbewerbsfaktor haben die Marktforscher dabei den scharfen Wettbewerb verschiedener App-Stores untereinander ausgemacht. Der offizielle Google-App-Store „Google Play“ ist in China nicht verfügbar. „App-Stores von Fremdanbietern sind hier allgegenwärtig wie sonst nirgendwo in der Welt“, so Canalys-Analyst Tim Shepard. „Wenn die großen internationalen Shop-Anbieter in China noch was werden wollen, müssen sie schnellstens ein große Anzahl attraktiver lokalisierter Apps anbieten.“ Partnerschaften oder Übernahmen von lokalen Online-App-Stores könnten eine Lösung sein. Die Schwäche bei den Apps kommt lokalen Geräteherstellern wie ZTE, Huawei oder Lenovo zu Gute, die laut Canalys deutlich zu den etablierten Markenherstellern aufholen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Wachstumsmarkt: Chinesen kaufen mehr Smartphones als Amerikaner"

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  • Na, wer schon smart ist, braucht doch kein Smart Phone mehr. Die mangelnde EigenCPUleistung auszulagern ist allerdings nur ein Zweck. Status ectl der noch wichtigere. Wie war das nochmal: Hast du noch Sex, oder schon ein Smartphone?

  • Chinesen sind auch einfach viermal so smart wie Amerikaner.
    Logisch.

  • So einfach ist das nicht, würde ich sagen. Das Einkommensniveau in China ist im Schnitt deutlich geringer. Aber trotzdem ist offenbar ein Smartphone ein Muss. Das Wachstumstempo ist schon erstaunlich.

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