Wachstumsmarkt E-Book
Edel-Chef sagt Ende des Taschenbuchs voraus

Der Vorstandschef des Hamburger Musik- und Buchverlags Edel, Michael Haentjes, begibt sich auf neues Terrain. Im schrumpfenden Buchmarkt forciert er E-Books. Das Ende der Taschenbücher ist für den 56-Jährigen absehbar.
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HamburgDer Vorstandschef des Hamburger Musik- und Buchverlags Edel, Michael Haentjes, will den Buchmarkt mit digitalen Angeboten aufmischen. „Ich hoffe, dass wir weit vorn sind“, sagte der Unternehmenschef der Deutschen Presse-Agentur dpa. Derzeit baut er einen rein digitalen Buchverlag auf, dessen Führung Silvia Kuttny-Walser, zuvor in Spitzenpositionen bei Random House und Bastei Lübbe, übernommen hat. Die von dieser Firma vertriebenen Bücher erscheinen nicht mehr als gebundene Ausgaben.

Der Markt für digitale Bücher in Deutschland ist nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels noch klein. Zwar wurden 2011 mit 4,7 Millionen Exemplaren mehr als doppelt so viele verkauft wie im Vorjahr, ihr Anteil am Gesamtumsatz der Branche von 9,6 Milliarden Euro (minus 1,4 Prozent 2011) beträgt aber erst 1,0 Prozent.

„Derzeit sind wir mit dem Einkauf von Lizenzrechten für E-Books beschäftigt“, berichtete Haentjes. Es sollen Werke aller Gattungen erscheinen, die aktuell im Handel vergriffen sind. Sie unterlägen keiner Buchpreisbindung der Originalverlage mehr, Edel selbst könne die Preise kalkulieren. „Wir wollen günstig sein, aber auch Geld verdienen“, sagt Haentjes.

Anders als alteingesessene Wettbewerber könne er „schneller und progressiver“ agieren. Bei der Digitalisierung kommen ihm nach eigener Schilderung Erfahrungen aus der Musikindustrie zugute, in der er 1986 mit dem Bestellversand für Filmmusik startete. Im Konzern-Werk in Röbel (Mecklenburg-Vorpommern) werden CDs und DVDs gepresst und auch noch Bücher gedruckt.

Der Anteil des Buchgeschäfts am Edel-Konzernumsatz liegt noch bei unter 10 Prozent. Die Gesamterlöse des Konzerns legten im 1. Halbjahr 2012 verglichen mit der Vorjahresperiode um 8 Prozent auf rund 80 Millionen Euro zu. Der Gewinn stieg von 3,5 Millionen auf 4,4 Millionen Euro.

Trotz Digitalisierung wird der Vorstandschef vom gedruckten Buch nicht lassen; er kombiniert ein Sachbuch oder eine Biografie mittlerweile mit kostenlosen Gutscheinen zur Bestellung der digitalen Ausgabe. Die dem Verlag hierbei entstehenden Mehrkosten würden als Marketingkosten gesehen, berichtete Vertriebsdirektor Stefan Michalk.

Die Edel-Manager sind der Auffassung, dass Käufer nicht bereit sind, für den gleichen Inhalt doppelt zu bezahlen und wollen mit diesem Kombi-Angebot illegalen Buch-Raubkopien aus dem Internet vorbeugen. Die Buchbranche könne hier von den anfänglichen Fehlern der Musikindustrie viel lernen, meinen sie. Edel-Chef Haentjes ist im Zuge der Buchdigitalisierung überzeugt, dass das Taschenbuch in den nächsten zehn Jahren untergehen wird. „Die Musikkassette ist schließlich auch mit Einführung der CD verschwunden“, sagte Haentjes.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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