Walter Bickel
Berater: „Wir werden mehr solcher Deals sehen“

Walter Bickel ist Partner bei der Beraterfirma Droege & Comp.. Im Interview spricht er über Minderheitsbeteiligungen von Private-Equity-Häusern und den Einfluss der Konzerne.

Handelsblatt: Herr Bickel, normalerweise kaufen Finanzinvestoren keine Minderheitsanteile, oder?

Walter Bickel: Der Einstieg von Blackstone bei der Telekom ist in der Tat ein ungewöhnlicher Deal. Wenn es bei den 4,5 Prozent bleibt, dann ist das eine reine Kapitalanlage. Diesen Anteil könnten Sie aber auch direkt an der Börse erwerben, das wäre günstiger. Beim Engagement eines Finanzinvestors, der kleine Pakete an börsennotierten Konzernen kauft, zahlt der institutionelle Anleger ja doppelt: einmal die Management-Gebühr für den Beteiligungsfonds und die Transaktionsgebühren an der Börse.

Kommen noch mehr solcher Transaktionen?

Wir werden noch mehr solcher Deals sehen. Der Anlagedruck der Finanzinvestoren ist enorm. Aber ich erwarte dann eher Beteiligungen zwischen 25 und 30 Prozent. So erlangt der Investor eine Sperrminorität, gleichzeitig muss er nicht automatisch ein formelles Übernahmeangebot vorlegen. In dieser „Beteiligungsklasse“ bekommt man auch bei der strategischen Ausrichtung deutlicheres Gewicht.

Der Einfluss bleibt aber doch begrenzt, das mögen Private-Equity-Häuser doch nicht.

Minderheitsbeteiligungen haben nur dann Sinn für Private-Equity-Häuser, wenn Einfluss auf die Wertentwicklung des Unternehmens genommen werden kann. Das geht beispielsweise über Nebenabreden, im Sinne eines konzertierten fallweisen Vorgehens mit anderen Investoren.

Reichen denn die Management-Kapazitäten aus, um die Konzerne zu beeinflussen?

Viele Finanzinvestoren haben heute nicht die Kapazitäten, um in das operative Geschäft der von Ihnen erworbenen Unternehmen selbst aktiv einzusteigen. Sie verstehen sich oftmals nur darauf, die finanzielle Seite zu optimieren. Nicht wenige Private-Equity-Häuser brauchen heute schon Management-Expertise von außen, was wir Berater etwa mit speziellen „Task Forces“ für operative Themen anbieten. Viele Beteiligungsfonds – und vor allem auch die so genannten Zielunternehmen der Fonds – werden jedenfalls mit den über viel Fremdkapital finanzierten Investments der vergangenen Monate nicht glücklich werden.

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