Warnung von Hackergruppe
Sony stoppt Nordkorea-Komödie wegen Drohungen

44 Millionen Dollar hat Sony in eine Komödie über einen fiktiven CIA-Angriff auf Kim Jong Un gesteckt. Nun sagt Sony den kompletten Filmstart von „The Interview“ ab - wegen einer ominösen Terrordrohung.
  • 1

Boston/Los Angeles/New YorkDie Folgen der schweren Cyberattacke auf das Hollywood-Studio von Sony werden immer gravierender. Nach Drohungen einer Hackergruppe gegen Kinobesitzer sagte der Medienkonzern die geplante flächendeckende Premiere des Sony-Films „The Interview“ an Weihnachten ab.

Sony Pictures teilte am Mittwochabend mit, der Entschluss zu der Absage sei „angesichts der Entscheidung der Mehrheit unserer Aussteller, den Film nicht zu zeigen“ gefällt worden. Das Unternehmen habe für diese Entscheidung der Kinobesitzer Verständnis und teile die Besorgnis, machte aber auch klar: „Wir stehen unseren Filmemachern und ihrem Recht auf freie Entfaltung bei und sind extrem enttäuscht über diesen Ausgang.“

Zunächst hatte Sony Pictures nach Terrordrohungen nur die für Donnerstag angesetzte Premiere des Films in New York gestrichen. Doch am Mittwoch nahmen führende Kinoketten in Nordamerika die umstrittene Komödie aus ihrem Programm.

Weder Regal Cinemas noch AMC Entertainment und Cinemark zeigen in den USA den Film, in dem der US-Geheimdienst CIA einen Fernsehmoderator und einen Produzenten beauftragt, den nordkoreanischen Staatschef Kim Jung Un zu töten. In Kanada strich die führende Kinokette Cineplay den Sony-Film.

Sony Pictures habe den Kinos die Entscheidung, ob sie den Streifen bringen wollen, selbst überlassen – ein beispielloses Vorgehen für Hollywood, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Normalerweise stünden die Spielpläne Monate im Voraus fest.

Hackergruppe warnt vor Kinobesuch

Die Hackergruppe Guardians of Peace (GOP), die Ende November das Computersystem angegriffen und erheblichen Schaden angerichtet hatte, warnte davor, sich die Komödie um ein CIA-Komplott gegen Nordkorea im Kino anzusehen. „Wir empfehlen Ihnen, sich zu dieser Zeit von diesen Orten fernzuhalten“, schrieben die Hacker und erinnerten an die Anschläge vom 11. September 2001. „Wenn Sie in der Nähe wohnen, sollten Sie diese Häuser besser verlassen“.

US-Präsident Barack Obama empfahl den Amerikanern, trotz aller Drohungen „ohne Angst ins Kino“ zu gehen. Vorerst seien die Drohungen nicht glaubwürdig, deutete er am Abend in einem Interview von „ABC News“ an. „Wir bleiben wachsam, und wenn wir etwas sehen, das bedrohlich und glaubwürdig aussieht, werden wir die Öffentlichkeit warnen“, sagte er.

Kommentare zu " Warnung von Hackergruppe: Sony stoppt Nordkorea-Komödie wegen Drohungen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ebenso beispiellos wie dieser Rückzieher von Sony ist aber auch das Filmscript: Die Ermordung eines real amtierenden Regierungschefs (egal ob ein Diktator oder Angela Merkel) zu dessen Lebzeiten ist extrem geschmacklos und dient offenbar nur dazu, das mit dem Rücken zur Wand stehende Regime dort noch weiter zu provozieren. Oder wollen interessierte Kreise in den USA damit etwa Nordkorea pychologisch sturmreif schießen? Ein solches Niveau hätte ich allenfalls von der nordkoreanischen Filmindustrie selbst erwartet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%