Warnung vor Vorverurteilung von Finanzinvestoren
Zeitungschefs stützen Holtzbrinck-Gruppe

Mehrere deutsche Verleger und Chefredakteure haben der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der auch das Handelsblatt gehört, wegen des umstrittenen Verkaufs der „Berliner Zeitung“ an eine Investorengruppe den Rücken gestärkt. Auf den Münchner Medientagen sprachen sie sich gegen einer Vorverurteilung von Finanzinvestoren aus, die sich auf dem deutschen Zeitungsmarkt engagieren.

HB MÜNCHEN/HAMBURG. Verleger Dirk Ippen („Münchner Merkur“) sagte zum Verkauf an die britische Investorengruppe um Mecom-Chef David Montgomery: „Ich sehe es als nicht bedrohlich an. Montgomery ist ein seriöser, hart arbeitender Verleger.“ Der Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, Claus Strunz, sagte: „Das Engagement der Finanzinvestoren hat einen positiven Effekt.“

Journalisten und Schriftsteller hatten den Verkauf der „Berliner Zeitung“ in Aufrufen scharf kritisiert. Hans Werner Kilz, Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, zeigte dafür wenig Verständnis. „Diese Vorverurteilung ist unangemessen“, sagte er. Auf dem gestrigen Printgipfel in München wurde das Engagement von Investoren im deutschen Zeitungsgeschäft ausdrücklich gelobt. „Es ist ein positives Signal, dass Ausländer in Deutschlands Medien investieren“, sagte Zeitungsverleger Ippen.

Mecom-Chef Montgomery hat am Dienstag zusammen mit dem US-Investmenthaus Veronis Suhler Stevenson den Berliner Verlag („Berliner Zeitung" , „Berliner Kurier“) übernommen. Holtzbrinck musste sich aus kartellrechtlichen Gründen von dem Verlag trennen.

Michael Grabner, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Holtzbrinck, warnte vor einer Verteufelung von Finanzinvestoren in Deutschland und kritisierte das niedrige Niveau der öffentlichen Diskussion. „Es ist eine traurige Woche“, sagte er. ZumVerkauf des Berliner Verlags sagte er: „Das ist die größte Summe, die jemals ein ausländischen Investor in den deutschen Zeitungsmarkt gesteckt hat.“

Viele Zeitungen kämpfen gegen Auflagen- und Anzeigenschwund. Wie gestern bekannt wurde, plant der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SVZ) bei der „Schweriner Volkszeitung“ einen Arbeitsplatzabbau. Das Flensburger Printhaus will sich von rund 100 der 340 Mitarbeiter trennen. Ein Sozialplan wurde bereits ausgehandelt. „Von dem Abbau sind aber keine Redakteure betroffen“, sagt SVZ-Chef Bernd Bleitzhofer. Bei den Betroffenen handelt sich unter anderem um Drucker, Archivare und Sekretärinnen. Das Flensburger Verlagshaus hatte die Zeitung im März von dem Zeitschriftenkonzern Burda (Focus, Bunte) übernommen.

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