Warnung
WPP sieht keine Erholung des Werbemarkts

Die Werbewirtschaft sieht kein Ende der Krise. Gestern vermeldete das weltweit größte Werbe- und Kommunikationsagenturen-Netzwerk WPP schlechte Zahlen. Die gesamte Branche leidet unter den Spätfolgen der Verwerfungen an den Finanzmärkten.

LONDON. Trotz Signalen für eine langsame Erholung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr rechnet WPP 2010 nicht mit einer entscheidenden Besserung der Lage. Auch die anderen internationalen Werbenetzwerke bleiben pessimistisch und suchen bereits nach neuen Märkten.

Der überraschend düstere Ausblick von WPP-Vorstandschef Martin Sorrell drückte die Aktie des Unternehmens gestern um 2,5 Prozent. Für das erste Halbjahr 2009 verkündete Sorrell einen Einbruch des Gewinns vor Steuern um 47 Prozent auf 179 Mio. Pfund. Die operative Marge sackte von 13,6 Prozent auf acht Prozent.

WPP hatte für das erste Halbjahr mit einem Umsatzminus von vier Prozent gerechnet. Tatsächlich fielen die Einnahmen aber um 8,3 Prozent auf 4,3 Mrd. Pfund. Für Überraschung am Markt sorgte aber vor allem der negative Ausblick des Vorstandschefs .

Aufgrund der eingeleiteten Sparmaßnahmen und leicht anziehender Buchungen im Juli verspreche das zweite Halbjahr zwar etwas bessere Zahlen, sagte Sorrell. Allerdings gebe es trotz der optimistischeren Stimmung in den Chefetagen der Wirtschaft bislang kaum Indizien für eine grundsätzliche Trendwende. Im kommenden Jahr würden die Umsätze voraussichtlich auf dem Niveau von 2009 stagnieren. Daran könnten auch Großereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika nur wenig ändern.

„Die WPP-Zahlen für das erste Halbjahr 2009 fallen klar schwächer aus als erwartet, und der Ausblick ist ebenfalls düsterer als erhofft“, meint Analyst Tom Singlehurst von der US-Großbank Citigroup. Er erwartet jetzt, dass der Werbekonzern seine Umsatz- und Ergebnisplanung nach unten anpasst.

Zur WPP-Gruppe gehört unter anderem die Werbeagentur Young & Rubicam. Der britische Konzern hatte im Herbst 2008 das Marktforschungsinstitut Taylor Nelson Sofres (TNS) übernommen und sich dabei gegen den ebenfalls interessierten Nürnberger Marktforscher GfK durchgesetzt. Um mit der durch die Weltwirtschaftskrise ausgelösten Werbeflaute fertigzuwerden, hat WPP bislang rund sechs Prozent der Belegschaft abgebaut. Die schärfsten Konkurrenten des britischen Werbekonzerns, Omnicon aus den USA und die französische Publicis, mussten in den ersten sechs Monaten 2009 ein ähnlich deutliches Umsatzminus verkraften wie WPP.

Die Agenturgruppe Zenith-Optimedia, die zu Publicis gehört, prognostiziert für dieses Jahr weltweit für die gesamten Werbeinvestitionen ein Minus von 8,5 Prozent. Für das kommende Jahr sagen die Marktforscher nur ein mageres Plus von 1,6 Prozent voraus.

Publicis setzt gegen die Krise verstärkt auf das Geschäft in China und anderen wachstumsstarken Schwellenländern. Die Public-Relations- und Eventsparte des französischen Konzerns werde ihren Umsatz in den kommenden drei Jahren durch Zukäufe und organisches Wachstum in diesen Regionen verdoppeln, sagte Spartenchef Olivier Fleurot. Auch die anderen großen Werbenetzwerke richten den Blick verstärkt gen Osten.

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