Warten auf die nächste Konsolengeneration
Markt für Videospiele stagniert auf hohem Niveau

Der Weltmarkt für Computer- und Videospiele wird 2004 auf hohem Niveau stagnieren und erst mit Erscheinen der neuen Konsolengeneration Ende 2005 wieder Fahrt aufnehmen. Dann aber werden die Umsätze mit Hard- und Software dramatisch anziehen. Das sagt die britische Informa Media Group in einer Studie voraus.

DÜSSELDORF. Von rund 33,8 Mrd. Dollar 2004 sollen die Umsätze auf über 52 Mrd. Dollar im Jahr 2007 steigen. Dann wird die nächste Konsolengeneration ihren Verkaufsgipfel erreichen haben. Der vorläufige Höhepunkt ist erreicht: „Dieses Jahr wird das stärkste Weihnachtsgeschäft für die aktuelle Konsolengeneration“, sagt auch Axel Herr, Deutschlandchef des Spieleverlags THQ („Findet Nemo“). Ende des Jahres stehen nach Schätzungen von THQ dann rund 2,8 Mill. Playstation 2 (Sony) in Deutschlands Wohn- und Kinderzimmern, rund 730 000 Game-Cubes (Nintendo) und 620 000 X-Box (Microsoft).

Spiele-Verlage zielen auf diese potenziellen Kunden. Immer wichtiger werden dabei Spiele auf Basis von Filmlizenzen. Für THQ soll 2004 deshalb ein herausragendes Jahr werden. Die US-Muttergesellschaft hat gerade ein Exklusivabkommen über die Spiele-Vermarktung der nächsten vier Pixar-Filme ab 2006 geschlossen. Vom Blockbuster „Findet Nemo“ konnte THQ in Deutschland gut 500 000 Spiele verkaufen.

Für das Weihnachtsgeschäft hat THQ drei Renner im Programm: „Polar Express“ (Warner Studios), den TV-Erfolg „Sponge Bob“ und „The Incredibles“ (Pixar/Disney, ab 5. November in den Kinos). Alleine Incredibles dürften ein Potenzial wie „Findet Nemo“ haben, erwartet Herr.

Genauer wird er das Anfang nächster Woche wissen, wenn die Games Convention in Leipzig zu Ende ist. „Hier werden 70 bis 80 Prozent des Weihnachtsgeschäfts mit dem Handel festgezurrt“, sagt Herr. Neben der Branchenmesse E3 in Los Angeles beginnt sich Leipzig als europäische Drehscheibe für die Gaming-Industrie zu etablieren und hat bereits die alt eingesessene ECTS in London abgehängt. Dieses Jahr werden nach Aussagen der Messeleitung bereits 100 000 Besucher erwartet, das wären gut 8 000 mehr als im Vorjahr.

Um die drohende Umsatzstagnation zu überwinden, setzt THQ auch auf vermehrte Zweitverwertung bekannter Titel, selbst bei alten Spielekonsolen. Bei Programmen für die Playstation 1 ist THQ nach eigenen Angaben mit über 25 Prozent Marktführer in Deutschland, nachdem Branchenriesen wie Electronic Arts diese Plattform aufgegeben haben. Herr: „Jetzt gilt es, bestehende Potenziale auszunutzen.“ Nach Informationen des Branchenverbandes VUD wurden 2003 für die PS1 noch für 59 Mill. Euro Software verkauft.

Laut Informa wird es aber der Mobile-Gaming-Bereich sein, der die Branche über die Absatzflaute bis zum Konsolenwechsel (wie ein Modellwechsel bei einem Autobauer) hinweg retten wird. Langfristig werden Mobile-Gaming, Online-Gaming und interaktives TV-Gaming gut 32 Prozent des Weltmarktes ausmachen. 2010 sollen hier rund 13,1 Mrd. Dollar umgesetzt werden nach 3,9 Mrd. Dollar in diesem Jahr.

Mobile-Gaming soll auch ein Schwerpunkt in Leipzig sein, ebenso wie die Nachwuchs-Förderung. Denn noch immer gibt es nur eine Hand voll deutscher Firmen mit Weltruf in der Milliardenbranche Videospiele.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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