WDR stellt sich Kritik

„Unerhört, ungebildet und unhöflich“

Sonst kritisiert der WDR selbst, gestern Abend war es mal anders herum. Der neue WDR-Intendant Tom Buhrow stellte sich der Kritik seiner Zuhörer und Zuschauer – öffentlich. Es ging um die Daseinsberechtigung des Senders.
  • Jakob Struller
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(„Ich nehme die Anregung mit“: Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Tom Buhrow (ganz links), gab sich am Mittwochabend volksnah und stellte sich der Kritik von Zuschauern und Zuhörern. Quelle: dpa

(„Ich nehme die Anregung mit“: Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Tom Buhrow (ganz links), gab sich am Mittwochabend volksnah und stellte sich der Kritik von Zuschauern und Zuhörern.

(Foto: dpa)

Köln„Unerhört, ungebildet und unhöflich“ sei es, dass der Name des Komponisten Mendelssohn Bartholdy immer wieder falsch von WDR-Moderatoren ausgesprochen werde - so lautet die Beschwerde eines WDR-Hörers. Und es sollte an diesem Mittwoch Abend nicht die einzige bleiben, der sich Tom Buhrow, frisch gebackener WDR-Intendant, stellen musste. Es ist ein neuer Weg, den der Sender geht. Etwa 200 Zuschauer sind im Studio im „Kunstwerk“ in Mönchengladbach, und können Dampf ablassen, zusätzlich werden Zuschriften von Zuschauern und Zuhörern vorgetragen. Es geht um die Daseinsberechtigung der Öffentlich-Rechtlichen, ums Programm, die Nachrichten, den Tatort, das junge Publikum. Es geht manchmal um winzige Details und natürlich oft um den Rundfunkbeitrag.

Neu-Intendant Tom Buhrow antwortet auf Fragen aus dem Publikum, spricht mit Kollegen und Kritikern und wirkt ehrlich bemüht, auf jedes einzelne Problem einzugehen. Nach Aldi, Apple und anderen Marken checkt der Westdeutsche Rundfunk WDR sich selbst. Das 90-minütige Format soll es von nun an öfter geben. Und in weiten Teilen funktioniert es gut.

Natürlich, eine Veranstaltung nach dem Motte „endlich mal den Chef sprechen“ hat mit mehren Problemen zu kämpfen: Vor allem mit der Frage, was sie bringen soll, außer den Menschen guten Willen zu zeigen. Denn die Probleme, die bei solchen Anlässen meist vorgetragen werden, sind dem Chef entweder wohl bekannt aber schwer lösbar oder es sind Sonderwünsche.

Zum Beispiel nach „einer ganzen Sendung nur für die lokalen Kulturstätten“, wie ein Zuschauer fordert. Oder nach mehr Randsportarten in den Sportsendungen. Oder dass das Symphonieorchester öfter auch im Fernsehen auftreten solle. Legitime Sonderwünsche seien das, versicherte Buhrow. Aber eben Dinge, für die es zu wenig Platz und zu wenig Nachfrage gebe. „Ich kann da nur um Verständnis werben“, sagt der Intendant oft. Und noch häufiger: „Aber ich nehme die Anregung mit.“

Dabei wirkt Buhrow zwar tatsächlich voller Verständnis für die Fans von Eishockey, Orchestermusik und Seidenmuseum. Dass sich auf ihre „Anregungen“ bald das Programm grundlegend ändert, wirkt dennoch nicht wahrscheinlich.

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14 Kommentare zu "WDR stellt sich Kritik: „Unerhört, ungebildet und unhöflich“"

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  • >>"Glücklicherweise haben wir die Errungenschaft, die alle anderen Demokratien der Welt auch haben: Einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in dem alle Bevölkerungs- und Meinungsgruppen paritätisch vertreten sind."

    Und glücklicherweise können wir uns Dank Zwangsabgabe auch das teuerste ÖR System der Welt leisten.

    Und ist es nicht ein Glücksfall, dass sich in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF Heerscharen von Politikern, Kirchenvertretern und Verbands-Lobbyisten tummeln, die zwar nicht viel von Verwaltung und Kontrolle verstehen, aber dafür angeblich alle Bevölkerungs- und Meinungsgruppen paritätisch auf Kosten der Beitragszahler vertreten.

  • Glücklicherweise haben wir die Errungenschaft, die alle anderen Demokratien der Welt auch haben: Einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in dem alle Bevölkerungs- und Meinungsgruppen paritätisch vertreten sind.

    Wenn ich mir überlege, dass im Rundfunk oder im Fernsehen nur noch private Sender mit Werbung, Sexkontakten, dämliche Casting-Shows und endlosen Wiederholungen dümmster C-Filme laufen, dann bin ich für ARD und Co richtig dankbar.

    Wenn ich mir weiter überlege, dass Hassprediger der Herrenrasse, Volksverhetzer, Verschwörungstheoretiker oder Lobbyisten ihr verantwortungslose Treiben auch noch im Fernsehen oder im Radio treiben können, dann graut es mir. Es genügen schon die einschlägigen Seiten im Internet oder manche Beiträge in Internetforen, um zu sehen, welcher Bodensatz der Gesellschaft ohne kritischen Journalismus und ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk an die Oberfläche gespült werden.

    Das reicht mir völlig.

  • Ich weiß von vielen älteren,das sie enttäuscht sind
    von SAT.1 Gold...ein Sender der mit Bezug zum
    älterem Zuschauer beworben wurde.
    Meine Oma und ihre vielen Freundinnen,vermissen
    30er 40er 50er Jahres Filme und Beiträge.
    Stattdessen die gleiche Verdummungsbilligproduktion,
    wie anderswo..Hier handelt es sich aber keineswegs,
    um Generation doof.


    Denen reicht es schon,im Radio völlig ausgeblendet
    zu werden.
    Sie sind zwar in dieser Altersgruppe die Hauptaktionäre,nur bedient werden sie nicht.


  • Für Buhrow ist die Sendung sehr schlecht gelaufen, oder warum mußte er zum Schluß Wodka trinken? Vielleicht war es ja auch nur Werbung, immerhin wurde die Wodkaflasche schön eingeblendet!

  • Wenn Tom Buhrow wenigstens ein einziges Mal in seinem Leben in der Privatwirtschaft gearbeitet hätte und sein Einkommen aus erwirtschaftetem und nicht etwa nur gesetzlich zwangsweise eingezogenem Geld bezogen hätte, könnte man diesen geheuchelten Versuch einer "Öffnung" dieses Zwangsbeglücklungskolosses ARD wenigstens ansatzweise für glaubwürdig halten.

    So aber zeigt die gestrige Sendung vor allem eines:
    Die völlige Verfehlung des gesellschaftlichen Auftrags des Öffentlich-rechtlichen-Fernsehens.

    Ich empfehle einfach, sich vorzustellen, welche internationalen Nachrichten und Aufklärungsinhalte durch diese Selbstbeschau des ARD gestern verdrängt wurden und auf Heller und Pfennig dagegenzuhalten, was sie gekostet hat.

    Das ganze wäre vielleicht noch etwas erträglicher, wenn es nicht ausgerechnet die Kandidaten des Ersten Deutschen Fernsehens wären, die als erste mit der Inbrunst moralischer Empörung mit dem Zeigefinger auf wirtschaftlichen Egoismus und Gewinnstreben zeigen:
    das ist mittelalterliche Doppelmoral.

    Die einzige Daseinsberechtigung des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens ist der tiefsitzende Illiberalismus der Deutschen, sich einer solchen Zwangsbeglückung und Fremdmoralisierung willfährig zu unterwerfen.

  • ne alibi veranstaltung die lediglich davon ablenken soll,daß einer minderleistung eine dem bürger abgepreßte zweangssteuer gegenübersteht

    mit mediendemokratie hat das sowenig zu tun wie das päpstliche urbi et orbi aufm petersplatz

    ein buhrow is das maß für die kürzeste verbindung zwischen zwei fettnäpfchen

    ein buhrow hoch drei das hohlmaß für die betreffende inhaltleere sendung

  • Die "Führungskräfte" bei den ÖR, welche ja eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sind, sind überbezahlt. Auch für die sollte, bei muss das angewandt werden, was im öffentlichen Dienst üblich ist. Ein Intendant sollte doch nicht mehr bekommen als z.B. die Bundeskanzlerin die immerhin doch eine gewisse Verantwortung für ein ganzes Volk zu tragen hat. Die Einnahmen der ÖR kommen so oder so durch Zwang, auch wenn die die größte Scheiße bringen.

  • Ich erinnere mich an eine ähnliche Sendung des BR durch den damaligen Intendanten Thomas Gruber, der allerdings wesentlich souveräner agierte. Wesentlicher Unterschied: er sparte sich die schleimende Ansagerin, das machte er ganz nüchtern selbst und erteilte auch den Fragern das Wort. Zudem hatte er alle seine Direktoren und Abteilungsleiter dabei und forderte sie ggf. zur direkten Antwort auf, keiner war auf irgendeine Frage vorbereitet. Das war alles sehr souverän und ehrlich gemacht, davon war der herumeiernde Buhrow doch meilenweit entfernt....

  • Ich bin sehr froh über die öffentlich-rechtlichen Sender. Wenn man den ganzen Tag die geistigen Ergüsse von RTL, Sat.1 & Co. über sich ergehen lassen müsste, läuft man Gefahr, irgendwann selbst einmal im Nachmittagsprogramm von denen aufzutauchen. Sicherlich läuft auch in den ÖR-Sendern viel Blödsinn, aber ein gewisses Grundniveau kam ich zumindest noch wahrnehmen. Auf zahlreiche gut gemachte Dokumentationen, Magazine usw. möchte ich jedenfall nicht verzichten wollen!

  • Ich möchte über die Öffentlich-Rechtlichen keinen Dampf ablassen, sondern denen nichts zahlen.

    Der größte Witz sind Boxkämpfe um Mitternacht, von unbekannten, nicht-deutschen Boxern - aber Weltmeister - die für einen deutschen Boxstall kämpfen.

    Dicht dahinter folgt die Champions League. Jemand, der die Öffentlichen-Rechtlichen nur wegen der Champions League schaut, kann seine 20 €/Monat besser investieren!

    Bei Sky gibt es für 30 €/Monat so viel Fußball, Boxen, Basketball, sowie alle anderen Sportarten wie man vertragen kann.

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