Wechsel an der Spitze
Time Warner leitet Kurswechsel ein

Seit 2005 gilt Jeff Bewkes als Kronprinz im Haus Time Warner. Jetzt rückt er an die Spitze vor. Nach fünf Jahren im Amt gibt der Vorstandsvorsitzende Dick Parsons das Amt an der Spitze des weltgrößten Medienkonzerns ab. Er bleibt dem Konzern aber erhalten.

NEW YORK. Der vorzeitige Führungswechsel beim US-Medienkonzern Time Warner ist perfekt. Das Unternehmen hat Jeffrey Bewkes gestern zum neuen Vorstandschef ernannt. Bewkes werde mit Wirkung zum 1. Januar den derzeitigen CEO Richard Parsons ersetzen, teilte Time Warner mit. Bewkes ist derzeit President und Chief Operating Officer des in Dulles im Bundesstaat Virginia ansässigen Konzerns. Parsons werde aber an Bord bleiben und sein Amt als Chairman weiter ausüben, hieß es.

Bewkes galt spätestens seit Ende 2005 als Kronprinz im Hause Time Warner. Damals wurde er zum Präsidenten ernannt und übernahm die Leitung des Tagesgeschäfts. Bewkes solle für alle Beschäftigten und Anteilseigner von Time Warner „eine neue Ära des Wachstums“ einläuten, wird Parsons in einer Pressemitteilung zitiert. Von dem Führungswechsel erhofft sich die Wall Street eine rasche Verschlankung des Time-Warner-Portfolios, um dem seit Jahren müden Aktienkurs auf die Beine helfen zu können. Im laufenden Jahr hat der Wert 18 Prozent verloren, während der US-Rivale Disney sein Niveau an der Börse halten konnte. „Wir haben viel zu tun, und ich bin intensiv auf den Unternehmenswert fixiert“, sagte Bewkes.

Zu Time Warner gehören der zweitgrößte Kabel-TV-Anbieter Time Warner Cable, das Internetportal AOL, das Warner Bros. Filmstudio, der Printverlag „Time“ sowie mehrere Kabelsender wie HBO und TNT. Nicht alle Geschäftsfelder unter dem großen Konzerndach passen zusammen, monieren Analysten. Sie sind insbesondere gespannt, ob sich Bewkes in den nächsten Monaten von AOL trennen wird.

Time Warner hatte am Ende des New-Economy-Booms 2001 ein neues Medienzeitalter einläuten wollen und 124 Mrd. Dollar in eine Fusion mit AOL gesteckt. Die Elefantenhochzeit hat ihre Erwartungen allerdings nie auch nur ansatzweise erfüllt und das Internetportal zum schweren Ballast für die Time-Warner-Aktie werden lassen.

Als Parsons im Mai 2002 den Chefposten übernahm, herrschte bei AOL-Time Warner das blanke Chaos. Milliardenabschreibungen auf den Firmenwert von AOL wurden nötig, Altaktionäre überhäuften das Unternehmen mit Klagen. Parsons erreichte einen Vergleich mit den Klägern und löschte das Internetportal nach dem Ausscheiden von AOL-Gründer Steve Case 2003 wieder aus dem Firmennamen. Die Baustelle AOL aber blieb. Längst haben sich aggressive Investoren wie US-Milliardär Carl Icahn eingekauft, die lautstark einen grundsätzlichen Konzernumbau und die Aufspaltung des Medien-Konglomerats fordern.

Bewkes habe als Insider lange Zeit gehabt, um bei Time Warner seine eigene Sicht der Dinge zu entwickeln, sagte Heather Goodchild von der Ratingagentur Standard & Poor’s. Eine der entscheidenden Fragen für den Neuen sei: „Ergeben all diese Aktivitäten unter einem Dach Sinn?“ ebe

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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