Wechsel bei Axel Springer

Kai Diekmann gibt die „Bild“-Chefredaktion auf

Generationswechsel bei der „Bild“-Zeitung: Kai Diekmann gibt die Chefredaktion ab. Seine Nachfolgerin steht auch schon fest. Seine bisherige Stellvertreterin Tanit Koch übernimmt den Job.
Verlässt die Chefredaktion der „Bild“: Kai Diekmann. Quelle: dpa
Kai Diekmann

Verlässt die Chefredaktion der „Bild“: Kai Diekmann.

(Foto: dpa)

Hamburg. Der moderne Mensch ist Globalist, und so spürte Kai Diekmann vor nicht allzu langer Zeit im Silicon Valley die neuesten digitalen Trends auf, war dann in Südkorea, um die dortige Mobile-Szene zu erkunden, und postet zwischendurch via Twitter und Facebook besondere Bilder, zum Beispiel von seinen Ziegen, die er auf seinem Grundstück bei Potsdam hält.

Die Frage ist: Wie kommt man noch dazu, als Chefredakteur die „Bild“-Zeitung zu machen? Antwort: In Zukunft überhaupt nicht mehr.

Zum Jahresende gibt der Journalist sein Amt bei „Bild“ in der bisherigen Form auf – und übergibt an seine Stellvertreterin Tanit Koch, 38, die Unterhaltungschefin des Boulevardblatts. Diekmann, 51, bleibt Herausgeber der Publikationen der „Bild“-Gruppe und bestimmt die publizistische Linie dieser „roten Gruppe“. Künftig werden die Chefredakteure von „Bild“, „Bild am Sonntag“, „Bild.de“ und „BZ“ direkt an ihn berichten.

Das sind die Giganten der Medienwelt
Gute Unterhaltung aus den USA?
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Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios – und zunehmend Online-Dienste: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Foto eine Szene aus „The Late Show“ mit David Letterman (rechts) und US-Präsident Barack Obama (links) zu Gast. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2014 hat das Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik unter Leitung des Medienwissenschaftlers Lutz Hachmeister ein Ranking der 100 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10.

Platz 10: Apple
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Erstmals ist Apple in den Top Ten der weltgrößten Medienunternehmen. Möglich macht das eine Änderung der Systematik der Rangliste: Grundlage für die Einordnung in das Ranking waren ausschließlich die Erlöse der Abteilung iTunes, Software & Services, die bei 13,6 Milliarden Euro lagen. Bisher wurde Apple in der Liste nicht berücksichtigt.

Platz 9: Bertelsmann
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Einziges europäisches Medienunterhemen in den Top Ten ist Bertelsmann mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro. Wichtigste Erlösquelle ist die TV-Holding RTL Group. Aber den Konzern zieht es zunehmend in medienfremde Gefilde. So soll das Geschäft mit der Bildung zu einer neuen Unternehmenssäule ausgebaut werden.

Platz 8: Sony
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Mit einem Medienumsatz von 17,8 Milliarden Euro ist Sony abermals das größte nichtamerikanische Medienunternehmen der Welt. Im Gesamtkonzern des japanischen Unterhaltungselektronikriesen, zu dem das Hollywood-Studio Sony Pictures Entertainment, der Musik-Major Sony Music Entertainment sowie eine erfolgreiche Games-Sparte gehört, gewinnen Medienerlöse zunehmend an Gewicht.

Platz 7: Time Warner
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Time Warner, das einst größte Medienunternehmen der Welt, ist das Resultat mehrerer Fusionen. Zu ihm gehören das Hollywoodstudio Warner Bros. (Tom Hardy in Mad Max: Fury Road), das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktion New Line Cinema, der Pay-FV-Sender HBO und die TV-Holding Turner Broadcasting Systems. Das Medienhaus erlöste zuletzt 20,6 Milliarden Euro.

Platz 6: Viacom
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Viacom CBS, das auf einen Umsatz von 20,8 Milliarden Euro kommt, besteht aus zwei börsennotierten Gesellschaften, die beide von der Holding National Amusements Inc. des Firmenpatriarchen Sumner Redstone kontrolliert werden. Zu Viacom gehören die TV-Sender MTV und Nickelodeon sowie das Hollywoodstudio Paramount, zu CBS das Free-TV-Geschäft um das gleichnamige landesweite TV-Network, die TV-Produktion sowie Verlage und Außenwerbung.

Platz 5: DirecTV
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Mit einem Umsatz von 24,3 Milliarden Euro ist DirectTV der führende amerikanische Anbieter für Satelliten-Pay-TV. Das Telekommunikationsunternehmen AT&T will DirectTV für 48 Milliarden Dollar übernehmen. Dem Deal, gegen den die Video-Onlineplattform Netflix klagt, muss noch die amerikanische Kontrollbehörde FCC zustimmen.

15 Jahre wird es Diekmann am Ende am Balken von „Bild“ ausgehalten haben, länger als jeder andere Chefredakteur zuvor. Auf zehn Jahre war Peter Boenisch gekommen. Seit Jahresanfang hat er mit Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienhauses Axel Springer, über die Personalrochade gesprochen. Dann war Zeit für den Generationswechsel. Das Konzept von „Bild“ habe „sowohl digital als auch international spannende Entwicklungsperspektiven“, kommentiert Döpfner: „Diese Potenziale wird Kai Diekmann in seiner neuen, übergeordneten Aufgabe konkretisieren.“

Diekmann wird also so etwas wie der Entwicklungsminister für das wirtschaftlich für Springer eminent wichtige Objekt. Er soll sich neue Formate, Ableger und Kooperationen für „Bild“ einfallen lassen – auch im Ausland. Gedacht wird an neue digitale Objekte.

Kritiker bringen die Demission Diekmanns in Zusammenhang mit der Auflagenentwicklung von „Bild: Sie hat sich in 15 Jahren von knapp vier Millionen auf gut zwei Millionen fast halbiert. Zwar ist das branchentypisch; es gibt aber auch Boulevardtitel, deren Auflage nicht ganz so stark einbrach wie die des Marktführers. Die „Hamburger Morgenpost“ verlor in diesem Zeitraum 30 Prozent, die Münchener „tz“ nur 20 Prozent. Wie es in Verlagskreisen heißt, gingen die Bruttoanzeigenumsätze von „Bild“ von Januar bis September um 15 bis 20 Prozent zurück. Brutto legten die Anzeigenumsätze der deutschen Zeitungen dagegen im gleichen Zeitraum um 0,2 Prozent zu.

„Bild“ und Diekmann selbst verweisen auf die durch Bild.de gestiegene Gesamtreichweite und die weiter ausgebaute Marktführerschaft. Zudem gilt die Zahl von fast 300 000 zahlenden Online-Lesern („Bild plus“) den Verlagsmachern als Erfolg.

Sein größter publizistischer Erfolg: der Henri-Nannen-Preis
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