Weg für AG-Umwandlung frei
Zeiss erwartet schwaches Jahr

Vor allem wegen des Einbruchs der Halbleiter-Industrie rechnet der Optoelektronik-Konzern Carl Zeiss im Geschäftsjahr 2002/03 mit einem Umsatzrückgang um zehn Prozent, hofft aber auf schwarze Zahlen.

Reuters STUTTGART. „Wir müssen damit rechnen, dass wir beim Umsatzwachstum in diesem Jahr eine Pause einlegen“, sagte Zeiss-Vorstandssprecher Dieter Kurz am Freitag in Stuttgart. In der ersten Hälfte (bis 31. März) ging der Umsatz um zehn Prozent auf 1,02 Mrd. € zurück. Bei diesem Rückstand werde es bleiben, sagte Kurz. Das Betriebsergebnis soll durch Einsparungen von 70 Mill. € auf dem um zwei Drittel gesunkenen Halbjahresniveau von 31 (2001/02: 78) Mill. € stabil gehalten werden. Bis zum Geschäftsjahresende sollen bis zu 400 Zeiss-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart machte unterdessen den Weg frei für die Umwandlung von Zeiss und der Schwesterfirma Schott Glas in Aktiengesellschaften.

Das OLG wies am Freitag die Klage von 79 Mitarbeitern gegen die Reform des 114 Jahre alten Stiftungsstatuts auch in zweiter Instanz ab. Die Revision vor dem Bundesgerichtshof wurde nicht zugelassen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Kläger wollen prüfen, ob sie Nichtzulassungsbeschwerde einlegen. „Das Urteil ist die Grundvoraussetzung für die weitere positive Entwicklung von Zeiss“, sagte Kurz.

Mit der Reform will die Stiftung den Haftungsverbund der Oberkochener Carl Zeiss mit dem Glashersteller Schott auflösen, die zwar in der Gründerzeit eng zusammen gearbeitet hatten, nun aber kaum noch miteinander zu tun haben. In der ungewöhnlichen Rechtsform des unselbstständigen Stiftungsunternehmens müssten beide für Verbindlichkeiten des jeweils anderen einstehen. Die Kapitalanteile der beiden AGs sollen auch nach der Umwandlung bei der Carl Zeiss Stiftung bleiben. Tochterfirmen könnten aber auch an den Kapitalmarkt gehen, die Medizintechnik-Tochter Carl Zeiss Meditec ist bereits an der Börse. Die Umwandlung der Holdings werde sich aber noch zumindest bis ins nächste Jahr hinziehen, sagte Kurz.

Die Kläger fürchteten eine Aufweichung der ungewöhnlich weit reichenden Rechte, die das Statut den Mitarbeitern von Zeiss und Schott zubilligt. „Es geht um die Identität, die diese Firma in den nächsten 50 Jahren hat. Als AG wird diese Firma eine völlig andere sein“, sagte der Sprecher der Kläger, Adalbert Hansen. Neuer Stiftungskommissar wird zum 1. Januar 2004 der bisherige Personalchef von Bosch, Tilman Todenhöfer, der den aus Altersgründen ausscheidenden ehemaligen Bahn-Chef Heinz Dürr ablöst.

Einen drastischen Umsatzeinbruch erlebte bis Ende März die Halbleiter-Tochter Carl Zeiss SMT, die mit 218 Mill. € um 26 % weniger umsetzte als ein Jahr zuvor. Wenn der Markt sich erhole, wofür es kaum Anzeichen gebe, werde die Erholung anders als in der Vergangenheit nur langsam vonstatten gehen, sagte Kurz. Wie die übrigen fünf Geschäftsbereiche schrieb aber auch die Chip-Zuliefersparte operativ schwarze Zahlen. Größter Kunde ist der Halbleiter-Hersteller ASML.

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