Wegen Rubel-Verfall
Apple stoppt Online-Verkauf in Russland

Apple zieht Konsequenzen aus der Rubel-Krise: Das Unternehmen stoppt wegen des Währungsverfalls seinen Online-Verkauf in Russland. Die Schwankungen des Rubel seien zu extrem - man überarbeitet nun die Preisgestaltung.
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San FransiscoApple hat wegen der Wirtschaftskrise in Russland den dortigen Verkauf über das Internet eingestellt. Grund seien die extremen Schwankungen des Rubel, erläuterte das Unternehmen am Dienstag.

Apple überarbeitet nun seine Preisgestaltung. Der dramatische Kurssturz des Rubel hat in den vergangenen Tagen die Gefahr einer erneuten Staatspleite Russlands heraufbeschwört. Die Wirtschaft des Landes wird von westlichen Sanktionen und dem Verfall des Ölpreises gebeutelt.

Der Absturz des Rubels konnte am Dienstag auch mit einer kräftigen Zinserhöhung nicht aufgehalten werden. Der Wert der russischen Währung brach zeitweise um 20 Prozent ein. Zentralbankchefin Elvira Nabijullina warnte, es werde "Zeit brauchen", bis sich der Rubel erholt habe. Während Ministerpräsident Dmitri Medwedew ein Krisentreffen der zuständigen Minister einberief, schwieg Präsident Wladimir Putin.

Die Anzeigetafeln an den russischen Wechselstuben spielten am Dienstag regelrecht verrückt. Nachdem der Kurs bereits am Montag mit 9,5 Prozent so stark gefallen war wie seit der Finanzkrise 1998 nicht mehr, verlor der Rubel bis zum Dienstagnachmittag noch einmal ein Fünftel seines Wertes. Für einen Euro wurden damit bisher unvorstellbare 100 Rubel fällig, für einen Dollar 80 Rubel. Danach setzte eine leichte Erholung ein, nach der für einen Euro noch immer 88 Rubel gezahlt werden mussten

Grund für den Wertverlust sind vor allem der fallende Ölpreis sowie die Sanktionen des Westens wegen der Rolle Moskaus im Ukraine-Konflikt. Durch den Währungsverfall sind die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen.

Die russische Zentralbank hatte in der Nacht zum Dienstag mit einer äußerst ungewöhnlichen Leitzinserhöhung versucht, den Absturz aufzuhalten. Sie hob den Leitzins, zu dem sich Banken von ihr Geld leihen können, von 10,5 Prozent auf 17 Prozent an und machte damit Kredite so gut wie unbezahlbar. Doch die Märkte ließen sich davon nicht beschwichtigen. "Der Wert des Rubels spiegelt wider, was die Herrschaft Putins in den Augen der Märkte wert ist", sagte die Politologin Julia Latinina. "Den Wähler kann man an der Nase herumführen, die Märkte nicht."

Der Vizechef der Notenbank, Sergei Schwezow, kündigte nach dem jüngsten Kurssturz weitere Maßnahmen an. "Die Lage ist kritisch", zitierte ihn die russische Nachrichtenagentur Interfax. "Das hätten wir uns vor einem Jahr in unseren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können." Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew kündigte Maßnahmen zur "Stabilisierung" des Rubels an, nannte aber keine Einzelheiten. Starke Devisenkontrollen schloss Uljukajew jedoch ausdrücklich aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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