Wegen Umzug zu Springer
„Tagesspiegel“ kündigt DPA-Dienst

Im Sommer 2010 zieht die Deutsche Presseagentur (DPA) in die Berliner Ladengalerie des Medienkonzerns Axel Springer ein. Für den "Tagesspiegel" bedeutet das offenbar, dass damit auch die journalistische Objektivität leiden dürfte. Denn die Zeitung kündigt nun der DPA. Ein empfindlicher Schlag für die Agentur.
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DÜSSELDORF. Der "Tagesspiegel" hat der Deutschen Presse-Agentur (DPA) wegen ihres geplanten Umzugs in die Berliner Ladengalerie des Medienkonzerns Axel Springer gekündigt. "Wir sehen die Unabhängigkeit gefährdet und haben kein Vertrauen mehr", sagte Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff dem Handelsblatt.

Die Berliner Zeitung sieht mit dem Umzug unter das Dach von Europas größtem Zeitungskonzern einen Interessenskonflikt. Wirtschaftliche Gründe hätten für die Kündigung keine Rolle gespielt. "Wir wollen nicht mit unserem Geld die Rendite von Springer verbessern", sagte ein Insider in Berlin.

Die DPA bestätigte den Eingang der Kündigung des "Tagesspiegels". Die Agentur will aber die Befürchtung einer angeblich gefährdeten Unabhängigkeit in einem Gespräch aus dem Weg räumen. "Wir sind überrascht. Wir wollen mit dem Tagesspiegel reden", sagte ein Unternehmenssprecher. Unabhängigkeit sei das höchste Gut einer Nachrichtenagentur, die man in keiner Weise gefährden wolle.

Bei der "Berliner Zeitung", einer Tochter des Kölner Medienkonzerns DuMont Schauberg, wird allerdings kein ähnlicher Schritt erwogen. Das bestätigten Unternehmenskreise am Freitag.

Die Deutsche Presse-Agentur zieht im Sommer nächsten Jahres mit ihrer Zentralredaktion nach Berlin in die Axel-Springer-Passage, zu Füßen der Konzernzentrale. Nach Angaben eines DPA-Sprechers werde die Agentur aber nicht die Adresse Axel-Springer-Platz 1 haben. Deutschlands führende Nachrichtenagentur wird nach Unternehmensangaben im fünften Stock der Ladengalerie rund 3 500 Quadratmeter beziehen. Damit konzentriert DPA seine Redaktionen, die bislang in Hamburg, Frankfurt und Berlin angesiedelt waren.

Die Kündigung des "Tagesspiegel", der ebenso wie das Handelsblatt dem Stuttgarter Verleger Dieter von Holtzbrinck gehört, kommt für die DPA zu einer Unzeit. Denn die Nachrichtenagentur befindet sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Bereits die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Regionalbätter der Essener WAZ-Gruppe hatten der DPA in diesem Jahr aus inhaltlichen Gründen gekündigt.

Wolfgang Büchner, zuvor Chefredakteur von Spiegel Online, wird Anfang 2010 den Chefsessel bei der DPA übernehmen. Im vergangenen Jahr erzielte die Nachrichtenagentur mit 450 Redakteuren Erlöse von 94 Mio. Euro. Der Überschuss sank auf 2,9 Mio. Euro (Vorjahr 4,4 Mio.).

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Wegen Umzug zu Springer: „Tagesspiegel“ kündigt DPA-Dienst"

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  • Der Tagesspiegel hat leider vergessen, dass er in einem Druckhaus gedruckt wird, an dem Springer kräftig beteiligt ist (Prinovis). So eine peinliche Ausrede!

  • Ehrlich gesagt fand ich dpa auch bisher nie wirklich objektiv. ich empfand immer den hohen Meinungsanteil und das Weglassen bestimmter Fakten als sehr unseriös. Teilweise hatte ich den Eindruck von Hofberichterstattung und Kampagnenführung. Reuters oder AFP machen da bessere Arbeit.

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