Wegweiser der Zukunft
Intel und ST fusionieren Problemsparten

Jahrelang haben die Halbleiterhersteller Intel und ST Microelectronics (ST) nach einem Weg gesucht, sich von ihrem angeschlagenen Geschäft mit Flash-Chips zu trennen. Jetzt haben sie ihn gefunden

HB MÜNCHEN. Die beiden Konzerne legen die entsprechenden Sparten einfach zusammen. Damit entsteht der größte Flash-Anbieter weltweit mit einem Umsatz von 3,6 Mrd. Dollar im Jahr.

Flash-Chips werden vor allem in Handys und Unterhaltungselektronik eingebaut, etwa als Speicher in Digitalkameras oder USB-Sticks. Im Gegensatz zu anderen Chips gehen Informationen auf Flashs nicht verloren, wenn das Gerät ausgeschaltet wird. Doch das Flash-Geschäft ist ausgesprochen wettbewerbsintensiv. Zudem verschlingen die Fabriken Milliarden für teure Maschinen. Deshalb ist Größe ein wichtiger Faktor.

Dazu kommt, dass das Geschäft stark schwankend ist. Auf Zeiten mit hohen Gewinnen folgen oft erhebliche Verluste. Deshalb hat sich Intel-Rivale AMD bereits von seiner Flash-Sparte getrennt und sie unter dem Namen Spansion an die Börse gebracht.

Der japanische Chiphersteller Renesas geht einen anderen Weg und lässt das Geschäft kommendes Jahr auslaufen. „Wir konzentrieren uns stattdessen auf Bereiche, die berechenbarer sind und höhere Margen abwerfen“, sagte gestern Renesas-Europachef Matthew Trowbridge dem Handelsblatt.

An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen werde ST einen Anteil von knapp 49 Prozent halten, teilten die Firmen gestern mit. Auf Intel entfallen künftig 45 Prozent, den Rest hat die amerikanische Beteiligungsgesellschaft [FIRMEN]Francisco Partners für 150 Mill. Dollar gekauft.

Analysten und Anleger zeigten sich erfreut über die Entscheidung. Die Aktien von Intel und ST kletterten gestern leicht. Schon seit Jahren hatten Investoren von den Unternehmen gefordert, eine Lösung für die Probleme im Flash-Geschäft zu finden.

Intel ist der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Mit seinen Prozessoren hat der US-Konzern in den vergangenen 30 Jahren mehr Geld verdient als alle anderen Halbleiterproduzenten. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Computers. Immer wieder hat die verhältnismäßig kleine Flash-Sparte aber das positive Bild getrübt. Gestern teilte Intel nun mit, durch das Abkommen mit ST stiegen die Margen. Allerdings nannte die Firma keine Details. Im ersten Quartal fuhr die gesamte Speichersparte von Intel einen Verlust von 283 Mill. Dollar ein. Allerdings gehören zu dem Bereich auch Teile, die nicht in das Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden.

Der französisch-italienische Chiphersteller ST ist die Nummer eins in Europa und steht vom Umsatz her auf Rang fünf weltweit. Im vergangenen Quartal lag der operative Verlust im Flash-Geschäft bei 17 Mill. Dollar. „Das neue Unternehmen wird die nötige Größe erreichen, um Erfolg zu haben“, sagte gestern ST-Chef Carlo Bozotti.

Der größte Gewinner der Fusion war gestern allerdings Spansion. Die Aktien schossen in New York um acht Prozent in die Höhe. Der Grund liegt auf der Hand: Die Firma kann in Zukunft mit mehr Aufträgen rechnen. Denn viele Abnehmer wollen mindestens zwei Zulieferer haben. Durch das Gemeinschaftsunternehmen fällt aber ein großer Anbieter weg. Für einen Teil seines Speichergeschäfts hat Intel bereits eine Partnerschaft mit dem US-Wettbewerber Micron. Diese Kooperation bleibt vom Gemeinschaftsunternehmen unberührt.

Der deutsche Speicherchip-Produzent Qimonda ist von dem Zusammenschluss kaum betroffen. Die Münchener stellen vor allem so genannte Drams her. Das sind Chips, die ihre Informationen verlieren, wenn der Strom abgestellt wird. Die frühere Infineon-Tochter hat vergleichsweise wenig Geld in die Flash-Entwicklung gesteckt und spielt auf dem Markt so gut wie keine Rolle.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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