Weiter in tiefroten Zahlen
Kabelbetreiber Primacom geht das Geld aus

Der hochverschuldete Kabelnetzbetreiber Primacom hat im vergangenen Geschäftsjahr weiter tiefrote Zahlen geschrieben und steht nach eigenen Angaben vor einem Liquiditätsproblem.

HB FRANKFURT. Der Nettoverlust sei 2004 auf 113,5 Mill. Euro von 118,1 Mill. Euro im Vorjahr zurückgegangen, teilte das Mainzer Unternehmen am Freitag mit. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei auf 21,2 (Vorjahr: 19,4) Mill. Euro gestiegen. Kosten von 9,5 Mill. Euro für die finanzielle Restrukturierung hätten die Ergebnisse belastet. Der Umsatz kletterte den Angaben zufolge um 6,4 Prozent auf 210,7 Mill. Euro.

Zum Ende des Geschäftsjahres lagen die Bank- und Finanzierungsverbindlichkeiten von Primacom bei 989,9 Mill. Euro, die Gesamtverbindlichkeiten bei 1,12 Mrd. Euro. „Der erhebliche Verschuldungsgrad verursacht finanzielle Risiken, einschließlich eines Insolvenzrisikos“, erklärte die Gesellschaft in ihrem Geschäftsbericht. Der Vorstand führe Gespräche mit den Kreditgebern, um eine Lösung für die benötigte Refinanzierung zu finden. Primacom erwarte nicht, dass der operative Cash-Flow der Gruppe ausreiche, um den Zeitplan für die Zinszahlungen der vorrangigen Anleihe einschließlich Rückzahlungen des Kapitals von 57 Mill. Euro einzuhalten. Aus diesem Grund werde die Gesellschaft im zweiten Halbjahr 2005 ein Liquiditätsproblem haben. Zum Ende des Geschäftsjahres lagen die liquiden Mittel bei 1,24 Millionen Euro.

Um sich Liquidität zu verschaffen, will Primacom seine Tochter Multikabel verkaufen und mit dem Erlös die Anleihe zurückzahlen. Die Bedingungen der Kreditvereinbarung forderten allerdings eine Zustimmung der vorrangig (Senior Lender) als auch der nachrangig (Second Secured Lender) besicherten Kreditgeber. Bislang hätten allerdings nur die Senior Lender dem Verkauf zugestimmt. Ein Angebot des Vorstandes an die Second Secured Lender, die Nachranganleihe zu übernehmen, sei ebenfalls abgelehnt worden.

An der Börse brachen die Primacom-Aktien um fast neun Prozent auf 4,07 Euro ein. „Primacom bleibt fokussiert auf die Steigerung des Umsatzes, das Kostenmanagement sowie die Verbesserung des Ergebnisses und verfolgt alle Möglichkeiten für eine Restrukturierung ihrer Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung“, erklärte die Gesellschaft. Einen genauen Ausblick auf das laufende Jahr gab Primacom nicht ab.

Primacom versorgt über seine Kabelnetze in Deutschland rund eine Million und in den Niederlanden rund 300 000 Haushalte mit Fernseh- und Rundfunkprogrammen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%