Weitere Großübernahme: Hewlett-Packard im Kaufrausch

Weitere Großübernahme
Hewlett-Packard im Kaufrausch

Auch ohne Chef zögert das Management von Hewlett-Packard nicht, weitreichende Entscheidungen zu fällen. Am Montag teilte der weltgrößte Computerhersteller mit, den Softwareproduzenten Arc Sight für 1,5 Mrd. Dollar zu übernehmen. Erst vor zwei Wochen hatte der US-Konzern für den Speicherspezialisten 3Par 2,35 Mrd. Dollar auf den Tisch gelegt.
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MÜNCHEN. Seit CEO Mark Hurd sein Amt Anfang August aufgegeben hat, steht die Traditionsfirma aus Kalifornien ohne Vorstandsvorsitzenden da. Der Manager musste gehen, weil er Spesen nicht ordnungsgemäß abgerechnet hatte, um eine persönliche Beziehung zu einer externen Mitarbeiterin zu verschleiern.

Von einem Machtvakuum ist dennoch nichts zu spüren. Finanzchefin Cathie Lesjak, die übergangsweise die Firma führt, setzt die seit längerem eingeschlagene Strategie unbeirrt fort. Hewlett-Packard (HP) versucht, unabhängiger vom schwer umkämpften Geschäft mit Rechnern zu werden und setzt verstärkt auf Software und Dienstleistungen. Arc Sight ist ein Anbieter von Sicherheits-Programmen. "Es ist schon bemerkenswert, wie aggressiv die Firma auch ohne Mark Hurd vorgeht", sagt Paul Meeks, Analyst von Capstone Investments. "An Stelle des jetzigen Managements hätte ich das Tempo zurückgenommen oder zumindest gewartet, bis ein Nachfolger da ist."

Doch HP steht schwer unter Druck, weil auch die Konkurrenz massiv aufrüstet, um die Geschäftsbasis zu verbreitern. Bestes Beispiel für den Wettlauf ist 3Par: Im August hatte zunächst der PC-Produzent Dell angekündigt, die US-Firma zu übernehmen. Der zweitgrößte Computerbauer der Welt wollte 1,15 Mrd. Dollar bezahlen, ein Aufschlag von rund 90 Prozent auf den Börsenwert vor Ankündigung der Akquisition. Wenig später ging HP in die Offensive und bot 2,35 Mrd. Dollar.

Im Vergleich dazu ist Arc Sight fast ein Schnäppchen: Der Aufschlag gegenüber dem letzten Aktienkurs vor Bekanntgabe des Deals liegt bei 24 Prozent.

Im August hatte auch Intel mitgeteilt, sich mit Sicherheitssoftware zu verstärken. Der weltgrößte Chiphersteller übernimmt in den nächsten Monaten den Antivirensoftware-Spezialisten Mc Afee für knapp 7,7 Mrd. Dollar, ein Aufschlag von 60 Prozent auf den vorherigen Schlusskurs.

In der IT-Branche gehören Milliardenübernahmen derzeit zur Tagesordnung. Die großen Anbieter verfügen trotz der Finanzkrise über enorme flüssige Mittel.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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