Weitere Verdachtsfälle
Streit um verdeckte TV-Werbung

Nach der Aufdeckung von Schleichwerbung in der ARD-Serie „Marienhof“ gibt es auch bei anderen Fernsehsendern Verdachtsfälle. So habe eine Gütersloher Kommunikationsagentur einem großen Pharmakonzern redaktionelle Beiträge in einer Ratgebersendung auf N-TV angeboten, berichtete das Magazin „Spiegel“. Ein Sprecher von N-TV sagte dem Blatt dazu: „Es gibt immer wieder Agenturen, die ohne unser Wissen und nicht in unserem Auftrag der Industrie solche Angebote machen.“

HB HAMBURG. Offeriert worden sei ein Experten-Talk mit Moderation, der über den Tag verteilt an prominenten Sendeplätzen – zum Beispiel nach dem Wetter – stattfinden könne. Die Themen würden durch fundierte journalistische Reportagen transportiert und mit Expertenaussagen gestützt. Vorteil für den Arzneimittelhersteller wäre, dass die Zuschauer neue Informationen und Impulse bekämen, „um bisherige Verfahrensweisen und Einstellungen neu zu überdenken“.

Dem „Spiegel“ lägen zudem Dokumente vor, aus denen hervorgehe, dass die Produktions- und Ausstrahlungskosten je nach Sendeplatz zwischen 245 und 700 Euro pro Minute betrügen. „Auf Anfrage komme ich sehr leicht an solche Angebote“, sagte ein Manager des betroffenen Pharmakonzerns. Es sei kein Problem, sie auch zu nutzen. Dies bestreite N-TV.

Auch das ZDF mache „Geschäfte in der Grauzone“. So habe das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium für die Platzierung von Pfälzer Wein in der ZDF-Sendung „Sabine“ 120 000 Euro Steuergelder verwendet. Die Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft habe in derselben Sendung für geschätzte 200 000 Euro eine Milchbar platziert, deren Produkte mindestens einmal pro Folge redaktionell in die Handlung eingebunden werden sollten. Außerdem habe die Deutsche Post den Briefclub „Letternet“ beworben.

Aufgekommen ist die Diskussion nach Verstößen in der ARD-Serie „Marienhof“. Die Produktionsgesellschaft Bavaria Film hatte eingeräumt, dass es so genanntes Product Placement in beschränktem Umfang gegeben habe – entgegen den Regelungen des Produktionsvertrags. Die ARD hat deswegen eine Sonderprüfung durch eine externe, unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeleitet und die Abteilung Interne Revision des SWR eingeschaltet. WDR-Intendant und Bavaria-Aufsichtsrat Fritz Pleitgen kündigte eine weitreichende Untersuchung des Falls „Marienhof“ an. Es werde Konsequenzen geben, sobald der Bericht der Wirtschaftsprüfer in etwa einem Monat vorliege.

Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Hermann Winkler (CDU), forderte nun von der ARD, die geplante Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Verfahren zur Festsetzung der Rundfunkgebühren zurückzuziehen. „Wer das Vertrauen enttäuscht, sollte die Bürger nicht noch durch eine solche Beschwerde belasten“, sagte er dem Magazin „Focus“.

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