Weltgrößter PC-Hersteller stellt hier zu Lande Mitarbeiter ein
Dell erwartet robusten Computermarkt

Der weltgrößte PC-Produzent Dell geht davon aus, dass die Computerbranche in Deutschland weiter zulegen wird. „Die Stückzahlen werden auch kommendes Jahr zweistellig wachsen“, sagte der Deutschland-Chef des US-Konzerns, Mathias Schädel, dem Handelsblatt. Vor allem Unternehmenskunden sorgten für volle Auftragsbücher, ergänzte er. Deshalb sucht das Unternehmen momentan händeringend neue Mitarbeiter

MÜNCHEN. In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche Chiphersteller ihre Marktprognosen für das kommende Jahr zurück genommen und damit für Unsicherheit über die künftige Entwicklung in der IT-Industrie gesorgt. Die Halbleiterproduzenten gehören zu den wichtigsten Lieferanten der Computerbauer. Dell-Manager Schädel dagegen gibt sich zumindest für den deutschen Markt optimistisch: „Die Firmen investieren derzeit in Informationstechnologie statt neue Mitarbeiter einzustellen. Das kommt unserer Branche zugute.“

Allerdings leiden die PC-Hersteller in Deutschland unter einem kräftigen Preiskampf; nach Angaben der Marktforscher von Gartner führte das im zweiten Quartal trotz eines Mengenwachstums von knapp zwölf Prozent zu sinkenden Umsätzen und Margen in der Branche. „Der Trend zu Billigprodukten in Deutschland ist ungebrochen“, betonte auch Schädel und ergänzte: „Da unterscheiden wir uns stark von anderen Ländern.“

Der Manager des texanischen Konzerns bekräftigte, dass sich Dell deshalb weiter aus dem besonders umkämpften unteren Preissegment hier zu Lande heraushalten werde. Das führt allerdings dazu, dass einige Wettbewerber auf dem deutschen Markt wesentlich stärker wachsen als der Weltmarktführer. So hat der Taiwaner Computerbauer Acer im zweiten Quartal fast doppelt so viele Computer verkauft wie im Vorjahr. Dell dagegen konnte laut Gartner nur knapp ein Viertel mehr Rechner an den Mann bringen. Weil Dell im Privatkundenmarkt hier zu Lande kaum eine Rolle spielt, steht das Unternehmen in der Rangliste der größten Anbieter in Deutschland nur auf Rang fünf. Weltweit dagegen ist der US-Konzern knapp führend vor seinem schärfsten Widersacher Hewlett- Packard.

Dell gilt als eines der profitabelsten IT-Unternehmen weltweit. Die Firma achtet strikt darauf, nur gewinnträchtige Geschäfte zu machen. Deshalb hält sich das vor 20 Jahren von Michael Dell gegründete Unternehmen nicht nur in Deutschland aus dem Billigsegment heraus, sondern hat sich jüngst auch in China aus diesem Segment zurück gezogen.

Das Geschäft mit Firmenkunden läuft in Deutschland dagegen gut. Deshalb habe Dell in diesem Jahr bereits 100 Stellen geschaffen. 25 weitere Jobs seien derzeit noch offen. Schädel: „Oft finden wir die richtigen Leute aber nicht schnell genug, um die Stellen besetzen zu können.“ Vergangenes Jahr hatten die Amerikaner noch 120 Stellen aus einem deutschen Call-Center in die günstigere Slowakei verlagert. „Jetzt schaffen wir deutlich höherwertigere Jobs“, unterstrich Schädel. Insgesamt stehen in Deutschland 700 Leute auf der Gehaltsliste.

Die positive Prognose des Dell-Managers deckt sich mit den Vorhersagen der Analysten. Die Marktforscher von IDC rechnen damit, dass weltweit kommendes Jahr 10,5 Prozent mehr Rechner ausgeliefert werden als dieses Jahr. Dabei sei in Europa mit einem wesentlich stärkeren Wachstum zu rechnen als in Amerika.

Dell kommt zusätzlich zugute, dass nach Angaben der US-Experten das Geschäft mit Firmenkunden momentan wesentlich besser läuft als der Verkauf an Privatkunden. Das war nicht immer so: Nach dem Einbruch der Industrie im Jahr 2001 waren es die privaten Haushalte, die sich neue Rechner anschafften, während die Firmen ihre Budgets kürzten

.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%