Weniger Verkäufe
Der iPod-Zauber lässt nach

Apple verkauft weniger MP3-Spieler. Neue Modelle sollen diesen Trend stoppen - noch dringender braucht aber die Musikindustrie weitere Umsatzbringer. Das digitale Musikgeschäft stockt, die Branche sucht nach Auswegen. Und Apple ist schon wieder einen Schritt weiter.
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LONDON. Es sieht ganz lässig aus, wie Steve Jobs über den kleinen quadratischen Bildschirm wischt, wie er mit Daumen und Zeigefinger den Inhalt um 90 Grad zu drehen versucht. Das Ganze hat nur einen Haken: Es funktioniert nicht auf Anhieb. Jobs unternimmt einen neuen Anlauf. Dann erst tut der Winzling in seiner Hand, was der Meister ihm befohlen hat.

Apple-Chef Jobs musste sich teilweise ganz schön abmühen, als er am Mittwochabend die neuen Modelle des MP3-Spielers iPod vorstellte, darunter eine arg geschrumpfte Variante mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm. Über die kleinen Probleme ging er aber einfach hinweg und pries in Superlativen ein weiteres rundum erneuertes iPod-Modell an, das auf der Großbildleinwand hinter ihm erschien.

Digitales Musikgeschäft gleicht sinkende CD-Verkäufe nicht aus

Apple braucht die neuen Geräte, um den Absatz der MP3-Player wieder anzukurbeln. Im abgelaufenen Quartal hat der amerikanische Elektronikkonzern 9,4 Millionen seiner Musikabspielgeräte verkauft - das war das niedrigste Quartalsergebnis der vergangenen vier Jahre.

Noch dringender aber braucht die Musikindustrie einen wachsenden iPod-Markt und damit steigende Umsätze im Online-Geschäft. Lange Zeit sei Apple mit seinen iPods die treibende Kraft im digitalen Musikgeschäft gewesen, schreibt Mark Mulligan, Analyst bei der Marktforschungsgesellschaft Forrester Research, in seinem Blog. Doch jetzt habe die Dynamik deutlich nachgelassen. "Und wenn Apple schwächelt und das iPod-Geschäft anfängt zu niesen, dann bekommt der Markt für den Verkauf von digitaler Musik eine Erkältung", so Mulligan.

Der Manager einer britischen Plattenfirma drückt es noch etwas dramatischer aus: "Der iPod erschien uns als der lang ersehnte Heilsbringer, langsam müssen wir uns wohl nach Ersatz umschauen."

Im Oktober 2001 hat Apple den iPod auf den Markt gebracht und bisher 275 Millionen Exemplare verkauft. Drei Jahre nach dem iPod startete der Konzern die Musikverkaufsplattform iTunes. Beides zusammen revolutionierte die Musikindustrie.

Steve Jobs hat damit bewiesen, dass sich mit dem Online-Verkauf von Liedern Geld verdienen lässt. Die kriselnde Plattenbranche, die gegen Internet-Piraterie kämpfte und im Web nur Feinde sah, entdeckte plötzlich mit Hilfe von Apple doch noch das Netz als neue Einkommensquelle. Jobs Internet-Laden beherrscht inzwischen das digitale Musikgeschäft mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent, in den USA erzielt iTunes teilweise mehr Umsatz als der lange Zeit größte Musikhändler Walmart.

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