Werbefilmproduzenten
Ein Spot allein reicht nicht

Der klasissche Werbespot hat ausgedient. Um die Leute zu erreichen, suchen Kunden neue Wege; die Werbefilmbranche steht vor Herausforderungen in der Produktion - und wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Experten sehen vor allem ein großes Branchenproblem.

KÖLN. Genervt von Bodyguard und Manager steigt Pop-Ikone Madonna in den fremden Wagen. Dem unbekannten Mann hinter dem Steuer befiehlt sie, sie zu ihrem Auftritt zu fahren - so schnell, dass ihre Aufpasser abgehängt werden. Also gibt der Fahrer Gas. Während die übellaunige Diva auf der Rückbank hin- und hergeschleudert wird, ihren Kaffee verschüttet und ihr Make-up verschmiert, jagt er um die Kurven - das Auto bleibt, vorteilhaft in Szene gesetzt, sicher auf der Straße.

Der siebenminütige Spot ist einer von acht Kurzfilmen des Autoherstellers BMW, die in den USA als Werbung im Internet verbreitet wurden. Er stammt zwar aus dem Jahr 2001, gilt aber für das sogenannte Branded Entertainment, also die Verknüpfung von Marke und Unterhaltung, noch immer als ein Paradebeispiel - an das deutsche Produktionshäuser auch heute noch nicht rankommen.

Aber nicht nur im Branded Entertainment hinkten deutsche Werbefilmproduzenten hinterher, sagt Hermann Krug. "Die Branche ist generell den Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet bietet, noch nicht gewachsen." Krug hat zuletzt als Leiter der Filmabteilung der Agentur Jung von Matt gearbeitet und startet jetzt eine eigene Spezialagentur.

Der Werbefilmexperte sieht vor allem ein großes Branchenproblem: "Internet und klassische Werbefilmproduktion sind noch zu sehr voneinander getrennt." Klassische Werbefilmproduktionen unterschätzten die Anforderungen von Internetprojekten, Web-Produzenten hingegen hätten wenig Erfahrung bei der Konzeption und Umsetzung von filmischen Inhalten. "Produzenten müssen aber das gesamte Paket abdecken", sagt Krug. "Die Kunden wollen heute alles aus einer Hand."

Dieser Meinung ist man auch bei Europas Branchenprimus Markenfilm, der unter anderem die Media-Markt-Spots mit Komiker Olli Dittrich produziert hat."Die Kunden suchen neue Wege, um an die Leute ranzukommen", sagt Geschäftsführer Florian Beisert. "Mit dem klassischen Werbespot allein kommt man heute nicht mehr weit." Als Produktionshaus müsse man deshalb "crossmedial" arbeiten können, also Fernsehen und Internet zugleich bedienen.

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