Werbegeschäft blüht
Ramadan bringt Sendern Rekordeinnahmen

Der Fastenmonat Ramadan dient der Einkehr und Besinnung auf die eigene Spiritualität. Doch die Moderne macht auch hier ihren Einfluss geltend. So ist der Ramadan in Ägypten und im Rest der arabischen Welt auch der Fernsehmonat par excellence geworden. In dieser Zeit ist das Werbegeschäft ist besonders lukrativ.

KAIRO. Seit Wochen berichten die Zeitungen ausführlich über Serien, die im Ramadan zu sehen sein werden. Vor allem das Abendprogramm steht im Fokus: Serien mit berühmten Schauspielern, Soap-Operas, historische Dramen und Ratespiele, alle eigens für den Fastenmonat produziert, ziehen die Großfamilien in ihren Bann. Bis spät in die Nacht zappen die Zuschauer von einer Lieblingsserie zur anderen. Ein Monat Prime Time für Produzenten und Fernsehsender, die alle von der Werbung profitieren.

„Die Produktion von Fernsehserien in diesem Jahr ist enorm“, sagt Al-Morsi Sarhan, kommerzieller Leiter der Produktionsabteilung des staatlichen ägyptischen Fernsehens. Bis zum Ramadan-Beginn hätten die Studios rund um die Uhr gearbeitet, um die Filme fertigzustellen. Nach Angaben der ägyptischen Zeitung „Al-Ahram hebdo“ beläuft sich das Budget für die ägyptischen Ramadan-Serien in diesem Jahr auf 133,4 Mill. Pfund (20 Mill. Euro). Immer mehr Geld fließt als Gagen an die Schauspieler, in diesem Jahr sind es 42 Mill. Pfund. Einige Stars verdienen bis zu zehn Mill. Pfund (1,4 Mill. Euro) an einer Ramadanserie.

Das Ramadan-Business lockt verstärkt Privatsender und private Produktionsfirmen, die ihre eigenen Serien produzieren. Die Werbeeinnahmen machen dies zu einer lohnenden Investition. Denn in Ägypten ist bisher das System üblich, dass Produktionsfirmen die Serien komplett mit Werbung für einen geringen Preis verkaufen, dafür aber die Werbeeinnahmen behalten. So gehen einzelne Episoden für 10 000 bis 15 000 Dollar in die Golfländer, die kaum über eigene Fernsehproduktionen verfügen.

Das Werbegeschäft ist hoch lukrativ: In Ägypten besitzen 92 Prozent der Haushalte einen Fernseher und viele Familien sitzen Ramadan vor der Bildröhre. Die Werbeeinnahmen für eine Ramadan-Serie belaufen sich auf bis zu 15 Mill. Pfund.

Doch die staatlichen ägyptischen Fernsehsender greifen das alte System mit neuen Verträgen an: So wurde teilweise eine Höchstsumme von zwei Mill. Pfund festgesetzt, mit der die Produktionsfirma der Serie an den Werbeeinnahmen beteiligt wird. „Im vergangenen Jahr sind dem ägyptischen staatlichen Fernsehen mehr als 40 Mill. Pfund aus Werbeinnahmen verloren gegangen, weil sie an die Produzenten der Serie gingen“, klagt Mohammed al-Barbari, Chef des Marketing-Abteilung des ägyptischen Fernsehens.

War Ägypten traditionell führend bei der Produktion von Ramadan-Serien, so wächst die Konkurrenz insbesondere in Syrien. Nach Angaben von Agenturen hat Ägypten in diesem Jahr 50 Fernsehserien produziert und Syrien 45. Davon hat Syrien nach Angaben des Produzenten Hatem Ali 25 Serien an Satellitensender oder Sender im Golf verkauft.

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