Werbeplattform
US-Zeitschriftenverlage planen Online-Kiosk

Die US-Zeitschriftenverlagen kämpfen mit sinkenden Auflagen und einbrechenden Werbeeinnahmen. Etliche Magazintitel stehen bereits vor dem Aus. In der Krise wollen die Verlage nun zusammenhalten und mit einer gemeinsame Plattform neue Erlösquellen durch elektronische Lesegeräte erschließen.

NEW YORK. Mehrere US-Zeitschriftenverlage denken über eine gemeinsame Online-Plattform nach, um ihre Produkte besser digital zu vermarkten. Unter der Führung von Time Inc. soll ein Joint Venture mit den Verlagen Conde Nast und Hearst entstehen, das Magazine wie „People“, „Time“, „Vanity Fair“ und „Cosmopolitan“ in einer Art Internet-Kiosk bündeln, berichtet der Onlinedienst Allthingsdigital. Das Unternehmen werde unabhängig von den Verlagen agieren und sei vor allem darauf aus, mit Herstellern von elektronischen Lesegeräten, wie Amazons Kindle, zu kooperieren. Die Verlage brauchen dringend neue Umsatzquellen. Die Anzeigenerlöse im Printgeschäft sind in der Wirtschaftskrise drastisch eingebrochen. Im zweiten Quartal verkauften US-Magazine im Durchschnitt rund 30 Prozent weniger Anzeigenseiten als im Vorjahr. Branchenkenner gehen davon aus, dass auch nach der Krise nicht alle Anzeigen zurück kommen werden. Nach Berechnungen des Beratungs- und Analysehauses Outsell wird die Hälfte der Werbung dauerhaft ins Internet abwandern. Damit lässt sich allerdings längst nicht so viel Geld verdienen wie mit gedruckten Anzeigen. Zudem sind die Leser kaum bereit, für Artikel auf den Internetseiten der Magazine zu bezahlen. Erst Anfang der Woche teilte Conde Nast mit, angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage vier seiner 23 Magazintitel zu schließen, darunter das renommierte Feinschmeckerheft „Gourmet“. „Ich weiß, dass wir eine große, große digitale Zukunft haben werden“, versprach Conde-Nast-Chef Chuck Townsend in einem Interview. Auf den mobilen Lesegeräten ruhen nun die Hoffnungen der Branche. Gerüchten zufolge arbeitet auch Apple an einem E-Reader. Die Verlage wollen sich nun frühzeitig die Oberhand über Umsätze und Vertrieb über diese Geräte sichern. Sie wollen dadurch vermeiden, vor den gleichen Problemen zu stehen wie die Musikindustrie, in der das Internetgeschäft von Apple dominiert wird. Wenn die Verträge unterzeichnet werden, sollen ab Mitte 2010 Zeitschrifteninhalte auf mobilen Geräten verfügbar sein. Einen ähnlichen Ansatz gibt es bereits für Nachrichteninhalte: Der ehemalige Verleger des „Wall Street Journal“, Gordon Crowitz, gründete gemeinsam mit zwei weiteren Medien-Experten das Startup Journalism Online. Entwickelt wird eine passwortgeschützte Seite, die Lesern Tages-, Wochen- oder Monatszugänge zu einer Reihe von Medien verschaffen soll. Das „Wall Street Journal“ hat es als eine von wenigen Zeitungen geschafft, mit Online-Inhalten Geld zu verdienen. Branchenschätzungen zufolge setzt das renommierte US-Wirtschaftsblatt rund 100 Millionen Dollar im Jahr allein mit Online-Abos um. Rupert Murdoch, Chef des Medienkonzerns News Corp., zu dem das „Wall Street Journal“ gehört, will künftig Gebühren für die Nutzung über mobile Geräte erheben. Zeitungsabonnenten sollen einen Dollar pro Woche für den Zugang über Blackberrys und iPhones zahlen. Nutzer ohne Abo zahlen zwei Dollar. Time Inc. habe bei den Überlegungen zu dem Joint Venture auch darüber nachgedacht, Tageszeitungen mit einzubeziehen, heißt es in dem Bericht. Dieses Vorhaben sei allerdings gescheitert. Offen ist bislang noch, ob auch Technologieunternehmen beteiligt werden sollen. Ein eigenes digitales Lesegerät wollten die Zeitschriftenverlage jedenfalls nicht entwickeln. asd

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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