Werbepreise gesenkt
Schumachers Abschied belastet RTL

Das Ende der Formel-1-Karriere von Michael Schumacher beschert RTL Probleme. Deutschlands größter Privatsender wird die Werbepreise für die Königsklasse des Motorsports senken. „Der Weggang von Schumacher ist für uns nicht erfreulich. Mit Schumacher geht eine sichere Bank für RTL verloren.“

DÜSSELDORF. „Wir werden die Preise nach dem Ausstieg geringfügig absenken“, bestätigte Florian Ruckert, Geschäftsleiter Marketing des RTL-Werbezeitenvermarkter IP Deutschland, gestern. Über viele Jahre waren die Rennerfolge von Schumacher ein Garant für RTL. Doch der Rennsport hat in Deutschland offenbar seinen Zenit überschritten. „Wir hatten eine rückläufige Entwicklung in den vergangenen Jahren“, heißt es beim RTL-Werbezeitenvermarkter in Köln.

Für RTL gab es zum Abschluss der Ära Michael Schumacher doch noch ein Trostpflaster. Der Kerpener bescherte der Fernsehtochter des Medienkonzerns Bertelsmann eine Rekordquote am Sonntag. 13,44 Mill. Zuschauer verfolgten im Durchschnitt das letzte Rennen des siebenmaligen Weltmeisters. Mit einem Marktanteil von 44,9 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe erreichte Schumacher die höchste Quote der vergangenen fünf Jahre für die Formel 1. Für einen 30-Sekunden-Spot in der Hauptsendezeit verlangte RTL bis zu 117 000 Euro brutto.

Die Fernsehbranche erwartet, dass ohne Schumacher die Preise für die Formel 1 im deutschen Fernsehen fallen werden. „Die Preise werden sinken. Manche glauben um zehn Prozent, anderen glauben sogar um 30 Prozent“, sagte Carsten Schmidt, Sportvorstand bei Premiere. „Ohne Schumi fehlt der Formel 1 ein Stück Unterhaltung.“ Der Bezahlsender Premiere hält seit einem Jahrzehnt die Pay-TV-Rechte an der Formel 1.

Im nächsten Jahr läuft der Vertrag mit dem Formel 1-Rechtevermarkter Bernie Ecclestone für das Free- und Pay-TV- aus. Dann werden die Rechte von 2008 bis 2010 bzw. 2012 neu vergeben. RTL wird sich trotz des Bedeutungsverlustes der Formel 1 wieder um die Rechte im frei empfangbaren Fernsehen bewerben, bestätigte ein Sprecher. Doch offenbar will Deutschlands größter Privatsender künftig weniger für die Übertragungsrechte zahlen. „Durch den Weggang von Schumacher wird der Druck nach unten groß sein“, prognostiziert auch Thomas Küstner, Medienexperte der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Auch potenzielle Konkurrenten im Bieterkampf um die TV-Rechte erwarten einen Nachlass durch Schumachers Ausstieg. „Die Preise sinken, sind aber immer noch hoch,“ heißt es bei einem Münchener Fernsehsender.

Ob RTL zusammen mit dem Pay-TV-Sender Premiere der einzige Bewerber um die Rechte sein wird, gilt als unwahrscheinlich. Brancheninsider gehen davon aus, dass bei niedrigeren Preis auch Pro Sieben Sat 1 am Bieterwettbewerb gegen RTL teilnehmen würde. Die Münchner Senderfamilie sagte nur: „Wir sehen uns alle attraktiven Sportrechte an.“

Auch Premiere könnte Konkurrenz bekommen. Der Bundesliga-Kanal Arena, eine Tochter des Kabelkonzerns Unity Media (Ish, Iesy) interessiert sich offenbar für den Rennsport. Um das im Sommer gestartete Bezahlfernsehen in die schwarze Zahlen zu führen, reicht die Bundesliga auf Dauer nicht. Die Formel 1 wäre auch ohne Schumacher ein interessantes Zusatzangebot. Bei Arena ist ein Einstieg in die Formel 1 offenbar vor allem eine Preisfrage. Eine Sprecherin wollte nicht bestätigen, dass Arena für die Rechte bietet. Premiere gibt sich hingegen optimistisch. „Wir sind in guten Gesprächen“, sagte Sport-Vorstand Schmidt.

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